Plüsch, Power & Plunder
| Typ: | Fun |
| Orginalanbieter: | |
| deutsche Version: | Games-In
Verlag Karlstr. 43 80333 München Tel: 089-555767 Fax: 089-5502500 Internetseite ? |
| Kurzbeschreibung: | Hast du auch
immer geglaubt Plüschtiere wären nur als
Kuschelgesellen für die Menschheit da? - Weit gefehlt,
sie leben! Hier kann man in die Rolle diverser Stofftiere schlüpfen und Abenteuer erleben, bis die Holzwoll qualmt. |
PP&P für Nicht-PP&P-Spieler
Links oberhalb des
Sternbildes des Herkules, über seinem rechten Bizeps, da lebt
ein kleiner Planet namens Wollworth. Genauer gesagt lebt
eigentlich nur das, was auf ihm lebt. Äh. Nun ja, jedenfalls
tummeln sich auf der Oberfläche die Wollworther, die bis vor
kurzem ihren Lebensinhalt damit bestritten, indem sie sich
Cheeseburger brutzelten und aßen. Bis eines Tages ein kleiner,
besonders hungriger Wollworther namens Helmbrut nicht genug
Cheeseburger bekam und in kompletter Panik eine Regierung
gründete, die das hamburgern gesetzlich regeln sollte. Und mit
eben dieser Gründung der
CVU(Cheeseburger-Vereinheitlichungs-Union) fingen die
Probleme an. Eine große Gleichmachung aller Rezepte setzte ein,
und sofort schwappte ein Wall des Protestes auf Helmbrut I. Die
erste und vielleicht einzige Rebellion, die dieser Planet jemals
erleben sollte, endete damit, daß das selbsternannte
CheeseburgerOberhaupt alle politischen Widersacher
mittels einer Hyper-Mikrowelle in Raum und Zeit schleuderte.
Die Verlustrate der Rebellen war groß und unbeschreiblich, aber
ein paar von ihnen (Überraschung!) landeten auch auf diesem
kleinen blauen Planeten, den die primitiven Bewohner selbst Erde
nannten. Viele der unfreiwilligen Aliens verbergen sich auch
heute noch in den abgelegen Eiswüsten und den Hochländern
Grönlands und erschrecken Reinhold Messner mit einem fröhlichen
Grumpf; einige leben auch nahe den heimischen
Hamburger-Buden. (Aus ihrer Sicht wahrscheinlich unsere einzige
technisch-sinnvolle Errungenschaft).
Hier bin ich Plüsch, hier kann ich sein.
Das hat jetzt alles fast gar nichts mit dem eigentlichen
Rollenspiel zu tun, sondern ist wahrscheinlich nur auf die Lust
am Schreiben der Autoren zurückzuführen. Der etwas holprige
Übergang ist dann folgender : Aufgrund von einer seltsamen
Veränderung, die die Wollworther auf dem Weg durch die Galaxis
erfahren haben, bekamen sie eine Art von Strahlung. Diese erweckt
alle Stofftiere in der gesamten Umbegung zum Leben. Hurra!
Slebt, slebt. Im Gegensatz zu dem weitverbreiteten
Irrglauben, der in Comics oder im Fernsehen aufkommt, sind die
Plüschis aber meist Menschen-feindlich. Klar, wer hat schon
Spaß daran, von großen, klobigen Viechern ohne Fell
totgeknuddelt zu werden?!?
Und so gibt es mittlerweile ganze Kolonien an den Rändern von
Städten und auf dem Lande, wo sich diese Plüschis
zurückgezogen haben. Diese Kolonien sind unseren Städten sehr
ähnlich, nur eben plüschiger. (Obwohl sich die animierten
Stofftiere diese Ähnlichkeit niemals eingestehen würden) Es
gibt hier Forschung, Technik, Sport und Freizeit, selbst eine
Unterwelt darf nicht fehlen. Auch die Gesellschaft ist ähnlich:
Wer eine Familie gründen will, sucht sich sein
Weiblein/Männlein, geht klammheimlich in ein kleines
Kämmerlein, zückt... Nadel und Faden und baut sich ein Kind.
Die Viecher vertreiben sich die Zeit mit Skateboard-Rennen
(Schrubbeln), gegenseitigem Belabern und Welt retten. Und : Mit
Abenteuern.
Da Rulez
Intelligenz und Mut setzen sich aus 1W6+4 zusammen, Stärke und
Geschicklichkeit sind abhängig von der Größe des Plüschis und
rangieren zwischen 1W6+3 und 1W6+7. Am besten wäre es, wenn man
seinen eigenen Plüschie neben das Charakterblatt
legt (Die zerknautschten Stofftiere, vor FreundInnen versteckt,
sollten vielleicht zu diesem Zweck nach langer Zeit mal wieder
aus den dunklen Nischen herausgekramt werden-oder wolltet ihr
Zinnfiguren nehmen???)
Der Rest der Attribute ist dann in typischem PP&P-Latein
chiffriert: Knuddelwert (Trefferpunkte), Plüschpunkte
(Ausdauer), Schleppwert (Tragfähigkeit), Pfriemelpunkte
(Energie), Wollworther Dukaten (Geld), Talentkaufpunkte und Kekse
(Erfahrung). Für die futuristischen Schlemmermäuler unter uns
gibt es noch die optionale Regelung der ZeiBärWähr, darunter
zählen Klettenhände, Rasseln oder Brummer.
Die Eigenschaften werden in Stufen von 0 bis 4 eingeteilt. Um von
Stufe 1 nach Stufe zwei zu steigern, braucht es 2
Talentkauf-Punkte, von zwei nach drei 3 Punkte usw. (Von Null auf
Maximum insgesamt 10 TKPs, neh?) Es gibt einige
Spezialfähigkeiten, die nochmal satte Einsteigerkosten erforden,
aber darauf komme ich später zurück.
Zunächst die Feststellung, daß bei PP&P mit dem W% oder
W100 gewürfelt wird. Jede Fähigkeit zehrt sehr schnell an den
Pfriemelpunkten, und als frischgebackener Held mit noch wenig
Keksen kann man bald überhaupt nichts mehr. (Außer dramatisch
umfallen. U-huh!) Man sollte daher immer einen Blick auf den
Energiebalken in der linken unteren Ecke des Bildschirms haben
und mit effektvollen Sachen wie z.B. fliegen und
hüpfender-gummiball-sein etwas sparsamer umgehen. Vor allen
Dingen Magier haben es sehr schwer.
Wanna fight?
Die Plüschies bekloppen sich mit allem möglichen und
unmöglichen Zeugs, allerdings verletzten sie sich damit meistens
nicht ernsthaft. Solange nichts den Knuddelwert angreift und nur
auf die Plüschpunkte drückt, kann man fröhlich vor sich hin
regenerieren.
Als Nahkampfwaffen zählen Teelöffel, Tortenheber und
Nudelhölzer; Stichwaffen sind u.a. Zahnstocher, Stricknadeln und
Scheren, und wer lieber Ballern will, kann das mit
Zahnpasta-Tuben, Wasserpistolen oder Farbsprays tun. Auch
CDs können als Boomerang umfunktioniert werden, und so
manche Langspielplatte hat selbst den miesesten Endgegner außer
Gefecht gesetzt. Hullahulla.
SchadensCodes wippern zwischen 1W6 und 4W6 hin und her, der
Teelöffel ist sicherlich am harmlosesten, und Farbspray
entknuddelt die Herzen der stolzesten Plüschies.
Wer sich schützen will, kann entweder ein Nudelsieb auf den Kopf
peppen und sollte dann hoffen, daß alle Angriffe von oben
kommen. Aber auch maßgeschneiderte Ganzkörper-Rüstungen bieten
idealen Schutz. (In manchem Falle handelt es sich dabei um
aneinander getackerte Konservenbüchsen.)
Schwierige Zauberkunststücke unter Verwendung von
Zuschauern sollten nur mit perfekten Sachkenntnissen begonnen
werden. Das Vergessen wichtiger magischer Formeln wird von den
Betroffenen nicht als unterhaltsam empfunden. [..] Merke: Nur
saubere Sägen benutzen!
- LORIOTs großer Ratgeber
PP&P besitzt - meiner bescheidenen Ansicht nach - eines der
flexibelsten Magiesysteme jenseits von Wollworth. Jeder angehende
Magier muß 5 Talentkaufpunkte investieren, um
Zaubberer der Stufe 1 zu werden, und bekommt bei der
Initiation ein paar kleine Zaubersteinchen von einer unbekannten
großen Macht geschenkt. Jedes dieser Steinchen (am Anfang hat
man vielleicht 4-5) besitzt ein kleines Symbol; darunter zählt
Feuer, Plüschie, Hund, Heilung, Erde usw.
Durch Kombination dieser Steinchen kann sich jeder seine eigenen
Sprüche zurechtfriemeln, und da jedes Symbol bestimmte Kosten
hat, errechnet sich der Endkaufpreis an Pfriemelpunkten aus dem
Produkt der einzelnen Summen für Opfer und für Wirkung. Puh.
Nochmal langsam?
Nehmen wir an, wir wollen einen Feuerball basteln, der auf
Plüschies losgeht. Dann legt man den Plüschi-Stein als
Opferstein fest (Kosten:15) und den Feuerstein als
WirkungsStein(Kosten:25)
Gesamtkosten des Zaubers : 15*25=375 Pfriemelpunkte. Da man am
Anfang um die 80 dieser Pfriemelpunkte besitzt, hat man sich wohl
etwas übernommen. Aber Fliegzauber (Kosten : 75) liegen durchaus
noch in Reichweite. Wenn man einen Zauber einmal verwendet hat,
so kann man ihn gegen Verwendung der halben Kosten wieder
auffrischen. Viel, Mehr,
Länger-Steinchen verstärken die Effekte dieser
Zauber noch.
Die Autoren sagen selber, daß dieses System für
fortgeschrittene Rollenspieler eine große Freiheit darstellt,
aber für Anfänger eher eine Belastung ist. Nun ja, man kann es
eben nicht allen recht machen. Aber PP&P ist als
Einstiegerrollenspiel sowieso eher ungeeignet.
Die alte Frage an dieser Stelle: Und sonst?
Ansonsten umfasst das Regelbuch noch ein Kapitel über Whum-Uä,
der ostplüschistischen Kampftechnik, der auch die gesamten
Farbbilder gewidmet sind. (Jaja, Gewalt lässt sich eben am
besten darstellen.) Whum-Uä ist eher eine Anleitung zu
Slapstick-Kämpfen als zu wirklich harten KongFu-Plüsch-Filmen;
die Namen der Techniken (Lispelmacher, Eingesprungener
Nasenzwirbler, Balduins Lockermacher) sprechen stark
dafür, daß das auch beabsichtigt ist.
Dann folgt noch eine Abhandlung über Drogen wie Weichspüler und
Geschirrspüler, einige geschichtliche Hintergünde der Erde
(Unsere Bücher sind falsch! Napoleon, Caesar, Gullivers Reisen,
das waren alles die Plüschies. We are among you...), und
schließlich gibt es noch ein Einstiegsabenteuer mit dem
wundervollen Namen Die Nacht der reitenden
Erz-Chaos-Plüschtier-Zombies des Todes. Das Abenteuer ist
eindeutig einer der Höhepunkte des Buches, und obwohl es
sämtliche Charakter-Erschaffungsregeln wieder über einen Haufen
schmeißt, verbreitet es eine wunderbar lustige Atmosphäre.
Alles in allem läßt sich PP&P eher durch einen etwas
romantischen Schreibstil mit vielen witzigen Andeutungen
kennzeichnen, der eine gelungene Abwechslung zu all den düsteren
Spielen auf dem Markt bildet. Wer splattern will, hat sich hier
in der Hausnummer geirrt. Ein Reinschauen kann man ansonsten
ruhig verantworten...
Nun, lieber Leser, meine Augen werden immer schwerer und scheinen
schon tausend Schnorzel zu wiegen. Ich gehe jetzt ins Bett und
achte darauf, meine Stoff-Robbe URK nicht zu wecken.
Gute Nacht da draussen. Wer immer Du auch sein magst.
-mAd DaN- aus dem Envoyer
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