Torchlight 2

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Torchlight 2 Torchlight 2 Amazon.de

Auf der Suche nach dem Dieb, der die Essenz von Ordraks Macht gestohlen hat, musst du dich, bei Tag und bei Nacht, jedem Wetter trotzend durch den vom Bösen befallenen Kontinent Vilderan kämpfen. Wähle eine von vier einzigartigen Klassen und mach dich alleine oder mit Freunden im Coop-Modus auf die Jagd nach fetter Beute auf den steilen Hängen der belagerten Steppen von Estherian oder der glühenden Mana Wüste. Begleitet von deinem treuen Haustier, das dir hilfreich eine Menge Laufarbeit abnimmt, findest du in den weitläufigen Außengebieten und den zahlreichen, zufallsgenerierten Dungeons jede Menge Gelegenheit dein umfangreiches, magisches Waffenarsenal gegen Horden von fiesen Gegnern einzusetzen.

Freue dich auf jede Menge Abenteuer, fiese Monster, furiose Kämpfe und auf eine Vielzahl von Verbesserungen zum Vorgänger:

  • Multi-Player – Spiele mit deinen Freunden über LAN oder Internet.

  • Individuelle Charaktere – Erstelle einen Helden mit individuellem Aussehen aus einer von vier brandneuen Charakterklassen.

  • Mächtige Tools – Erstelle eigene Mods und Abenteuer mit der neuesten Version von TorchEd, dem Torchlight-Editor.

  • Verbesserte Bedienung – Das neue Interface bietet einen schnelleren und komfortableren Zugriff auf alle Funktionen

  • Open World – Entdecke eine riesige, zufallsgenerierte Oberwelt bei Tag und Nacht und Wind und Wetter.

  • Renten-System – Vererbe erlernte Spezialfähigkeiten auf einen neuen Charakter.

Systemvoraussetzungen (nach Steam)

Betriebssystem: Windows XP SP3/Vista/Windows 7

  • Prozessor: x86-kompatibel 1.4 GHz oder schneller Prozessor

  • Speicher: 1 GB System RAM

  • Festplatte: 1.2 GB frei (unterliegt Änderungen)

  • Grafikkarte: DirectX kompatibel 3D Grafikkarte mit mind. 256 MB Speicher

  • DirectX®: 9.0c


Die Box

So, nach den offiziellen Begeisterungsstürmen der Entwickler über ihr Produkt und den harten Fakten über die notwendigen Systemspezifikationen soll mit einigen Worten auf die als Testexemplar vergebene Boxversion eingegangen werden.

Was mich gleich ein wenig Schmunzeln ließ ist der Aufkleber mit einem Zitat von 4players.de: "Diablo III war gut, Torchlight II ist besser!".

Alles klar? Gut, dann weiter im Takt. Die Boxversion ist eine Pappschachtel, in der wiederum bei gleicher Größe eine DVD-Hülle mit gleichem Aufdruck und der DVD ist. Das war's auch quasi schon. Ach halt, die "Kurzanleitung". Die ist so kurz, dass sie auf vier Seiten passt. Nagut, zwei, zieht man die Front mit dem Titel und einem Key und die Rückseite mit den Credits ab. Ansonsten steht auf den beiden Innenseiten wie man das Ding installiert, den Key aktiviert und es wieder von seinem Rechner entfernt. Ob letztere Anweisungen zeitnah gebraucht werden? Wir werden sehen. Jedenfalls gibt es (wie heutzutage leider oft) keine wirkliche Print-Anleitung mehr dazu. Zumindest für ein effektives Nachschlagen habe ich dann doch gern etwas in der Hand, wenn spontan Fragen aufkommen erst Google bemühen zu müssen und aus diversen Foren etwas sinnvolles zu filtern...dann doch lieber Seite xy aufschlagen, aha, so ist das gedacht, gut. Demnach: schade. Und nein, ich drucke mir keine PDF-Dokumente mit zig Seiten selbst aus, wo kommen wir denn da hin! ;-)

Der Rezensent und seine Erfahrung

Tja, da will mir das Spiel gleich mitteilen, dass es besser als Diablo 3 ist – und dann habe ich das noch nichtmal gespielt! Nagut, ein kleines bisschen, in der offenen Beta mal zwei Stunden reingeschaut. Dafür bin ich wiederum sehr gut mit Diablo 2 vertraut (und werde es vermutlich oft als Vergleich heranziehen). Auch andere namhaftere Titel aus dem Bereich Hack&Slay sind bekannt, beispielsweise Sacred 1 und 2 oder Titan Quest. Und Torchlight 1? Auch das hat der Autor dieser Zeilen nur recht kurz angespielt. Kurz meint dabei ca. Fünf Stunden. Ist das gut oder schlecht, vorurteilsfreieres Herangehen oder Unkenntnis? Entscheidet selbst!

Zumindest sollte die Ausgangssituation aber bekannt gemacht sein. In diesem Sinne: Häkchen dran und weiter.

Der erste Eindruck/Handlung:

Nach der üblichen Installationsroutine startet wie mittlerweile zu oft gesehen ein Launcher und beginnt, das Spiel automatisch zu patchen. Das kann je nach Leitung natürlich mehr oder minder lang dauern, in jedem Fall darf man noch ein bisschen länger warten, bevor's endlich losgeht. Achja, und der Launcher ist in Englisch, ebenso wie die Patchnotes und News. Das lässt sich natürlich auf die "Größe" des Entwicklerstudios Runic Games zurückführen – sehr klein und abgesehen von ihrer Marke Torchlight noch nicht weiter hervorgestochen.

Nachdem das Spiel endlich startet, freut man sich für ein zünftiges Hack&Slay-Spiel, dass Fantasy und viel Gemetzel beinhalten soll, auf ein spannendes und glorreiches Intro – und wenn es nur die übliche Gut-gegen-Böse-Schnetzelei beinhaltet. Und da bereits eine erste Enttäuschung: das ganze wirkt wie ein Comic-Flash-Filmchen in Sepia an. Hm. Animationen? Eher weniger. Hübsche Charaktere? Najaaa...Story?

Wer Torchlight 1 kennt weiß, dass dies einzig in einer Art Höhle/Mine spielte. Aus einem solchen Mineneingang kommt jetzt ein gepanzerter, verdorbener Comicritter in schwarzer Rüstung und vermöbelt eine Zauberin und einen Kämpfer, legt dabei alles in Schutt und Asche und tja...sieht so aus, als müsste man den aufhalten.

Dann beginnen wir mal Diablo 2 zu referenzieren: Nachdem der Held von Diablo 1 in die Tiefen von Tristram gekrochen ist, wurde er vom Seelenstein von Diablo verdorben, taucht auf und zieht umher um Diablos dämonische Heerscharen zu sammeln und seine zwei teuflischen Brüder wieder in die Welt zu holen. Sind da etwa Parallelen bei Torchlight zu sehen?

Wo das Böse in Diablo 2 ein unscheinbarer Wanderer war, wo dessen Geschichte von einem Wahnsinnigen in einem Irrenhaus berichtet wurde, der diesen Wanderer begleitete...da nimmt Torchlight 2 den Holzhammer: Hier, guck, böser dunkler Ritter, macht alles kaputt, den musst du kaputt hauen! Da fehlt einfach die erzählerische Finesse.

Was wiederum die grafische Umsetzung angeht: Na klar, Runic Games hat nicht die Mittel, die Blizzard hat, aber ein Thief/The Dark Project aus dem Jahr 1998 wusste optisch ansprechender in Cutscenes zu erzählen.

Jetzt lasse ich mich also über dieses erste Video aus, aber ich denke, dass muss sein, denn ganz ehrlich: Das Intro motiviert wirklich nicht zu mehr. Wer sich überzeugen möchte, darf hier bei YouTube reinschauen: http://www.youtube.com/watch?v=_kW6XIlHOGo

Und viel mehr wird dann auch aus dieser Story nicht. Irgendein Charakter aus Torchlight 1 hat halt "die Essenz von Ordraks Macht" gestohlen, ist jetzt scheinbar böse und muss aufgehalten werden. Nagut, wenn's also sein muss, machen wir uns dran.

Der Held und sein treuer Begleiter

Nach dem Hauptmenü, dass einen ersten Eindruck von der Ingame-Grafik vermittelt (später mehr dazu), geht es für mich schnurstracks zur Charaktererschaffung. Individueller Charakter, sagt die Box. Und nur vier Klassen? Okay, also, los: Es gibt groß das Ingame-Model mit netten kleinen Animationen zu sehen und linkerhand die Einstellmöglichkeiten.

Erste Entscheidung ist die Klasse. Zur Auswahl stehen Glutsteinmagier, Berserker, Ingenieur und Vagant. Die Klassen werden nach Auswahl dann mit einem Satz beschrieben. Erinnert sich jemand wie ich von der fehlenden Anleitung sprach? Jetzt weiß ich also, dass der Glutsteinmagier verheerende Elementarmagie nutzt. Okay. Der Berserker ist ein tödlicher Kämpfer, der durch Tiermagie stärker wird. Ingenieure sorgen wohl mit Glutsteinwaffen und -rüstungen in den Grenzlanden für Ordnung. Genau, wie auch immer. Und Vaganten beherrschen Feuerwaffen und Magie gleichermaßen (das Model schwingt sogleich zwei Pistolen). Tjaaa, was darf's also sein? Ich mag eigentlich Pistoleros ganz gern und bissel Zauberei um die Grafikeffekte auszureizen klingt ja auch nicht schlecht. Vagant also. Männlich oder Weiblich? Männlich. (Standard ist natürlich erstmal Weiblich eingestellt....Gamer und so)

Für den männlichen Vaganten gibt es dann nur fünf Gesicher zur Auswahl (die auch gleich eine Hautfarbe mitbringen), dazu vier Frisuren und immerhin 18 Haarfarben. Das war's dann auch schon. Da kaum ein Gesicht ansprechend wirkt bzw. ich halt gern einen hellhäutigen Charakter spielen wollte, blieb nicht mehr viel übrig. Diablo 3 hatte da nur die Männlich/Weiblich-Wahl, insofern schon ein Fortschritt, mit dem Konzept hätte man sich die Auswählerei aber auch sparen können. Meine Meinung.

Hat man dann noch seinen Namen gewählt, geht's an den Tierbegleiter: Zehn verschiedene stehen zur Auswahl, darunter Falke, Panther, eine Bulldogge (!?), Frettchen (?!?), Papillon (What the...?!?) oder ein Chakawary – eine Art Echse mit Schnabel. Auch hier volle Individualität durch je zwei bis drei Farben je Tier! Achja und einen Namen darf man auch vergeben – oder sich zufällig erstellen lassen. Der vorgegebene Name des Papillon, den ich gerade beim Draufschauen ausgewählt habe: Desi...

Die Charaktererschaffung bietet also einige kleine Möglichkeiten zur Gestaltung, insgesamt ist das Ganze aber den Aufwand eigentlich nicht wert. Zumal ich das Gesicht abseits dieses Menüs sowieso nicht mehr gesehen hab. Die Frisur ist auch meist unter einem Helm. Ein netter Gag also, die Charaktergestaltung, mehr aber nicht.

Bevor es dann wirklich los geht, gilt es einen Schwierigkeitsgrad zu wählen: Leicht, Normal, Veteran oder Elite. Und natürlich, ob man im Hardcoremodus spielen möchte. Im Hardcoremodus bedeutet der Tod den Tod. Entgültig. Stirbt der Charakter nur ein einziges Mal, ist er nicht mehr spielbar. Durch den einstellbaren Schwierigkeitsgrad könnte man sich das z.B. Auf Leicht geben um sich ein bisschen zu reizen oder auf Elite die ultimative Herausforderung suchen.

Jetzt geht's dann aber wirklich wirklich lo...Ja, ist ja gut, Einzelspieler muss ich auch noch auswählen – lasst mich doch einfach endlich mal spielen!

Das Gameplay

Da steht mein Held nach kurzem Laden also in einem Dörfchen (dem aus dem Introvideo), es ist Nacht, es blitzt und donnert und regnet. Rechts gibt es einen Tipp, dass ich mich mit Linksklicks bewege. Das gelbe Ausrufezeichen über einem nahen NSC verspricht die erste Quest: Die Estherianer vor dem Alchemisten (der Böse!) warnen. Nagut. Über eine kleine Brücke hinweg und schon stürmen die ersten Rattenmenschlein auf meinen Vaganten ein und werden mühelos mit den Pistole über den Haufen geschossen. Dazu gibt's (auf Wunsch) auch Blut zu sehen. Im Verlaufe des Spiels wird's davon mal mehr, mal weniger geben, durch den comichaften Style sind aber keine übertriebenen Grausamkeiten zu erwarten.

Während man angreift, bemüht sich auch das gewählte Begleitertier automatisch Monster zu töten. Erinnert also an die Söldner aus Diablo, gab's aber auch beim direkten Vorgänger Torchlight 1 schon genau so. Das Tier besitzt dann auch ein eigenes Inventar, in dem man Gegenstände auslagern kann, die sich per Knopfdruck direkt verkaufen lassen. Das Tier ist dann für zwei Minuten "in der Stadt" und kommt dann mit dem Gold wieder. Oder aber auch mehr: Wohl neu in Torchlight 2 ist die Möglichkeit, sich vom Begleiter Tränke in der Stadt kaufen zu lassen, die entsprechend auch direkt mitgebracht werden. Bequem.

Und wo wir schon beim Inventar sind: Das eigene unterteilt sich in drei Kategorien. Es gibt ein Ausrüstungsinventar für Waffen, Rüstungen, und Edelsteine, eines für Tränke und Fische und eines für Zaubersprüche. Der Held kann dann auch in den üblichen Unterteilungen von Kopf bis Fuß ausgerüstet werden, sein Begleiter kann auch zwei sogenannte Marken und ein Halsband tragen. Es scheint also viel sammelbares Material zu geben.

Und tatsächlich: jeder zweite Gegner lässt irgendetwas fallen. Wie im Genre üblich gibt es natürlich die kleinen Kerle, die kaum sinnvolles bei sich tragen, Champions, die härter sind, dafür aber auch gern mal interessantere Sachen "droppen" (wie es so schön heißt) und natürlich ab und an auch mal Bosse. Daneben Kisten und Fässer und ähnliches, die mehr oder minder interessanten Krimskrams versprechen. Alles wie gehabt. Sehr schön ist dabei, dass Gold automatisch beim darüberlaufen aufgehoben wird.

So schießt man sich also durch die Gegnerhorden und findet grüne und blaue und ab und an auch mal gelb beschriftete Ausrüstung. Diese lässt sich im Inventar durch Mouseover-Popups direkt mit der aktuell getragenen Vergleichen. Zudem gibt es diverse Symbole auf den Itembildchen, die anzeigen, ob ein Gegenstand tragbar ist, noch identifiziert werden muss oder man die Voraussetzung an Attributen oder der Stufe erfüllt. Ganz ehrlich: Insbesondere letzteres trägt bei mir nicht wirklich zur Übersicht bei, zumindest ist es nicht so intuitiv, wie man meinen könnte und im Endeffekt hab ich dann doch alles per Hand an der Detailübersicht untersucht. Auch das ist leider nicht allzu leicht. Gerade am Anfang fehlt ein wenig die Übersicht, Gegenstandseigenschaften sind nicht erklärt, haufenweise Zahlen, ... mit der Zeit versteht man, wie das alles zu deuten ist und erkennt das System, am Anfang wirkt es aber doch eher verwirrend. Diablo 2 (da ist es wieder) fühlte sich da irgendwie entspannter an: Viele Eigenschaften traten erst ab einem gewissen Charakterlevel auf und insbesondere die anfänglichen Gegenstände hatten meist nur wenige Boni, die man vergleichen musste. Und was wohl zu meiner Verwirrung beitrug war dann der Hinweis, dass blaue Items mächtiger sind als grüne! Das sagte mir irgendwann mal ein Ladebildschirm so ganz nebenher. In Diablo war es eben umgekehrt...aber um so etwas zu erfahren musste ich eben Glück haben, dass ich gerade diesen Hint mal bekam. Anleitung!!

Okay, zurück zum Vaganten: nachdem dieser einige Zeit später in Estheria (schätze so hieß die Stadt) ankam, gab's die nächsten Questen und zunehmend kristallisierte sich heraus, dass der Vagant mich doch nicht so begeistert wie angenommen. Magie hab ich in naher Zukunft nicht gesehen und das Schießen war auf Dauer zu unpräzise, oft bin ich gestorben, weil ich einfach den Gegner nicht sinnvoll anvisieren konnte. Zwar lässt sich mit der Umschalt-Taste die Position fixieren, so dass man aus dem Stand schießt, aber so richtig...

Also nochmal von vorn und den so eindeutig uneindeutigen Ingenieur genommen. Ein Nahkämpfer mit Zweihandwaffen – und der hatte von Beginn an mehr Magie als der Vagant! Die ersten Gegner wurden sofort mit einem heftigen Flammeneinschlag mit dem Hammer vernichtet. Und aus den Flammen schießen kleine zielsuchende Feuerbälle. Das ist doch mal was. Damit ging der Test also von neuem los und ganz ehrlich: Der Ingenieur machte mir wesentlich mehr Spaß.

Auf die grünen Wiesen des Startgebietes folgten bald verschneite Gebirgspässe, in Akt zwei dann Wüsten und schließlich ein Sumpf. Und dazwischen natürlich immer wieder Ruinen und Höhlen, wie es sich für einen Dungeoncrawler gehört. Dabei sind aber die oberirdischen Teile das, was Torchlight 2 von seinem Vorgänger abhebt.

Je mehr Monster fallen, desto stärker wird der gewählte Charakter natürlich. Mit jedem Stufenaufstieg erhält er fünf Attributspunkte um Stärke, Geschick, Vitalität oder Fokus zu erhöhen bzw. einen Fertigkeitenpunkt um seine Fähigkeiten zu verbessern oder neue zu lernen. Die Fähigkeiten unterteilen sich dabei in drei Kategorien je Charakter. Jede Kategorie wiederum enthält sieben aktive Skills und drei passive. Letztere stehen dabei von Beginn an zur Verfügung, erstere werden mit zunehmender Charakterstufe freigeschaltet. Einen Skillbaum, der eine Fertigkeit für eine andere voraussetzt oder gar Synergien, also übergreifende Boni, gibt es nicht. Sehr schade! Gerade die Synergien machen doch einen Charakter langfristig interessant.

Die Auswahl an Skills ist dann auch eher mager. Irgendwie liest sich vieles gleich, weniges scheint sinnvoll und meistens habe ich einen neuen Skill gewählt, weil ich die (Stufen-)Voraussetzung für eine Steigerung meines Flammenhammers nicht erfüllt hab. Mehr als der war auf Normal auch nicht nötig, trotzdem ich gezwungenermaßen immer in höherstufigen Gebieten unterwegs war. "Gezwungenermaßen" wird gleich noch erklärt. Generell sind meist ein oder zwei Skills ausreichend sinnvoll erschienen, dass man mal einen Punkt drauf verschwenden könnte, aber so richtig Motivation wollte für die wenigstens aufkommen.

Zum Einsatz derselben noch ein Hinweis: Ein Linksklick bedeutet immer Laufen bzw. Angriff auf einen Gegner, der Rechtsklick lässt sich frei mit einem Skill belegen. Ein zweiter lässt sich wählen und per Druck auf Tabulator austauschen. Ansonsten gibt es die übliche Hotkeyleiste am unteren Bildrand, vorbelegt mit Tränken und Portalrollen und ähnlichem. Aber erst, als ich von jemandem explizit darauf hingewiesen wurde, habe ich erkannt, dass ich dort auch Fertigkeiten belegen kann. Eigentlich logisch, aber das hat mir Anfangs das Skillsystem komplett vermurkst, dachte ich doch, dass ich eh nur zwei gleichzeitig nutzen kann. Tja, soll nur erwähnt sein, falls ich nicht der einzige bin. Eine Anleitung oder so...okay, ich halt schon den Mund. Die Tooltipps, die immer mal am Rand auftauchen, haben mir das jedenfalls auch nicht gesagt.

Nach all dem technischen Firlefanz, bei dem ich noch nichtmal auf das (simple) Angelsystem und Fische zum Tierverwandeln oder austauschbare Zaubersprüche von Schriftrollen eingegangen bin, stellt sich doch die Frage: Macht das Gameplay Spaß?

Jap, macht es. Das kann man nicht leugnen. Monster in Massen verhauen, Items sammeln, paar Quests erfüllen und irgendwie vorwärts kommen. Achja, "gezwungenermaßen in höherstufigen Gebieten" schrieb ich oben. Im Einzelspielermodus resettet Torchlight 2 keine Monster! Die Welt bleibt exakt so, wie sie verlassen wird, beendet man das Spiel. Dadurch ist halt ein Gebiet irgendwann leer und man MUSS weiterziehen. Natürlich sind die höherstufigen Bereiche wie erwähnt immer machbar gewesen, aber dennoch gefällt mir persönlich das System nicht. Warum kann ich einen Boss nicht einfach nochmal farmen, wenn ich Lust darauf hab? Also mal das Internet bemüht, es gibt eine Möglichkeit zum Reset: Sobald man einen Multiplayermodus mit diesem Charakter startet, wird die Welt komplett neu generiert. Hm, naja, okay. Aber das ist mir dann auch zu umständlich. Diablo 2: Im Einzelspieler bleibt die Map erhalten, Monster erscheinen nach dem Ausloggen neu. Ist doch gut, so kann ich unterhaltsame Gebiete immer wieder spielen und Bosse auch dreimal machen und vor allem schnell finden, wenn ich das möchte.

Zu den Monstern möchte noch erwähnt sein: Hier weiß Torchlight besonders zu überzeugen. Es gibt viele verschiedene Wesenheiten von Klein bis Groß, viele mit interessanten Sonderfähigkeiten, die sich in Kombinationen dann ergänzen und das Abenteurerleben doch etwas schwerer machen. Beispielsweise können Erdelementare einen Steinkreis um sich erzeugen, der Nahkämpfern die Flucht verwehrt und ihn ggfs. Mit anderen fiesen Gegnern einsperrt. Und die Bosskämpfe sind auch gut fordernd (da werden Heiltränke in Massen verschleudert) und teils auch nach gewissen Prinzipien zu lösen, so dass man in der ersten Begegnung schonmal den Kniff finden muss.

Das Prinzip in Torchlight 2 funktioniert also sehr gut und sauber. Die drei Akte verschlingen nicht allzuviel Spielzeit, danach ist aber auch noch lange nicht Schluss. Wer das "Neue Spiel" durch hat, kann "Neues Spiel+" wählen. Dort ist die Welt neu generiert, die Monster stärker und die Items besser. Das ganze gibt es wohl bis zu "Neues Spiel+++++", dann auch mit Legendären Items und ähnlichem. Die Sammelsucht wird also wieder in bester Manier gefördert.

Die Story birgt dann aber auch keine großartigen Besonderheiten mehr, das Spiel überzeugt langfristig nur, wenn man sich auf Hack&Slay und Itemsammeln einlassen kann, dann aber auch richtig.

Die Präsentation

Also, vorweg: Wer mit dem Grafikstil von World of Warcraft nichts anfangen konnte, ist hier fehl am Platz. Die Grafik ist schlicht, hat einen Comicstil und reißt wohl niemanden mehr wirklich vom Hocker. Für das, was sie ist, macht sie ihre Sache aber gut. Wettereffekte, Tag und Nacht, Höhlen, alles wirkt im Großen und Ganzen stimmig. ABER: Es fehlt aus meiner Sicht der letzte Funke, der dem ganzen wirkliche Atmosphäre verleiht. Diablo 2 gefällig? Auch nach all den Jahren ist es immer noch beklemmend, wenn man sich durch den Dschungel von Kurast gekämpft hat, Regen strömte, man den Hohen Rat inmitten aztekisch anmutender Pyramiden vernichtete und hinabstieg zu Mephisto in einen Keller, in dem es kaum Licht gab und sich die Leichenhaufen stapelten. Mag sein, dass Torchlight 2 hier nur am Comicstil leidet, aber solche Situationen, in denen man sich wirklich in die Welt hineinversetzen wollte, kamen nicht wirklich auf. Schade! Zudem ist auch die Wuseligkeit in den Kämpfen gegen Gegnermassen manchmal etwas zu groß und der Überblick geht verloren.

Im Zuge der Präsentation soll dann auch noch ein spezielles Detail erwähnt werden, dass vermutlich wenigen wirklich aufstößt, mir aber ganz besonders auffiel, speziell beim Nahkampf mit dem Ingenieur: Das visuelle Feedback in Kämpfen ist nicht überzeugend. Dabei meine ich nicht Zaubereffekte oder ähnliches, die durchaus tolle Feuerwerke auf den Bildschirm zaubern. Nein, viel mehr geht es um Kleinigkeiten: Wenn mein Ingenieur mit einem zweihändigen Hammer auf einen Gegner einprügelt und diesen trifft, dann sollte der Hammer nicht einfach nur durch den Gegner durchgleiten und dieser kurz quieken. Wenn der Flammenhammerskill einschlägt und ein brennender Krater umher erscheint, dann sollte doch das Bild beben um die Wucht zu verdeutlichen. Es vibriert ein ganz kleines bisschen, dass fällt auf, wenn man die Fertigkeit außerhalb eines Kampfes nutzt, aber in einer Schlacht geht es zu sehr unter. Auch die Todesanimationen wirken oft nicht wie eine Reaktion auf den Angriff. Klar, man kann nicht auf jeden Angriffstyp eingehen und zig Animationen bauen, aber es fehlt einfach das Gefühl: Er hat den Hammer voll ins Gesicht bekommen und schwirrt durch die Wucht einmal durch den Raum! HA!

Dort wusste Diablo 3 (huch, 3 auf einmal!) mehr zu begeistern: Wenn der Barbar auf den Boden schlägt, bebt die Erde, Gegner fliegen durch die Luft, da spürt man den Schlag regelrecht. Und auch wenn das ein Detail ist, mir fehlte es bei Torchlight 2. Gerade ein Hack&Slay lebt doch davon, dieses Kampfgefühl zu vermitteln.

Nagut, dann nochmal kurz zum Sound: Die Musik ist nett, bleibt aber auch nicht speziell hängen. Die Soundeffekte sind okay – aber solange ein Flammenhammer nichtmal ein tiefes Krachen erzeugt, wenn er einen Krater schlägt, kann es kein besonderes Lob geben. Und die Sprachausgabe? Gerade im Deutschen gibt es da ja viel gutes und noch mehr schlechtes. Hier ist sie...gut. Es gibt aber auch nur wenig vertonte Dialoge, die Charaktere sprechen nur ab und an und zumindest den Erzähler aus den Videos kennt man – beispielsweise aus Werbungen für Free-To-Play-Browsergames. ;-)

Das Fazit

Jetzt liest sich das alles wieder, als hätte es mir gar nicht gefallen, aber nein: Torchlight 2 ist ein wirklich gutes Spiel!

Denn es ist genau das, was es sein will: Ein Hack&Slay mit Betonung auf Monsterkloppen und Itemsammeln! Inhaltlich hebt es sich damit wenig von bekannten Genrevertretern ab, im Gegensatz zu vielen kann es jedoch auch lange über die ersten drei Spielstunden hinaus überzeugen, mit vielen kreativen Monstern, massen an Gegenständen, vielen vielen Stufen und vielen (wenn auch nicht immer interessanten) Skills.

Mag die Comicgrafik auch nicht jeden überzeugen, so ist sie zumindest effizient: auf meinem anderthalb jährigen Laptop läuft das Spiel bei höchsten Einstellungen absolut flüssig – sieht aber natürlich aber immer noch nicht wunderschön aus.

Wer gern mit Freunden spielt, bekommt diesmal sogar einen Multiplayer mit dazu – und auch einen LAN-Modus, den Diablo 3 nicht mehr bietet!

Alles in Allem bietet Torchlight 2 Genrefans also beste Kost. Wer über die Aufmachung hinweg sehen kann bekommt ein unterhaltsames Spiel, dass sich auf Wunsch über Wochen spielen lässt.

Es sind dann die vielen kleinen Abstriche, die das Gesamtbild etwas trüben: vier Charakterklassen wirken recht wenig, die Story (und vor allem ihre Präsentation in den Cutscenes) überzeugt so gar nicht und naja, das Kampffeedback im Nahkampf ist einfach nicht so toll, wie es hätte sein können.

Für den Neupreis von 20 Euro sollten Hack&Slay-Fans zugreifen, alle anderen vielleicht doch einmal die Demo anspielen oder bei einem Steamdeal zugreifen (im aktuellen Weihnachtssale gibt es nochmal 5 Euro Rabatt).

7.5/10

Letzte Änderung am Montag, 25 Februar 2013 15:18

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