Stadt der Fremden (Miéville, China)

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StadeDerFremdenSprache – was ist das? Ist es nur ein Verständigungsmittel, ist es eine Kultur oder ist es gar eine Lebensauffassung? Und wenn es das ist, was passiert, wenn die Sprache ins Wanken gerät?

Klappe:
Der Planet Arieka: Hier haben die Menschen die Stadt Embassytown errichtet, umgeben von einem Schild, der sie vor der giftigen Atmosphäre schützt. Sie leben umringt von den rätselhaften Ariekei. Ihre Sprache ist so einmalig und speziell, dass nur wenige Menschen sie erlernen können, und diese wenigen wurden dafür in einer Weise verändert, die sie kaum noch Menschen sein lässt. Sie sind die Botschafter und sorgen für das Gleichgewicht zwischen Menschen und Ariekei. Doch alles droht sich zu verändern, als ein neuer Botschafter nach Embassytown kommt. Und nur Avice, die Raumfahrerin, eine Legende auf ihrer Welt, kann die drohende Katastrophe aufhalten.

Autor:
China Tom Miéville, geboren am 06. 09. 1972, ist Brite und schreibt fantastische Literatur. Er beschreibt seine Werke gern als "weird fiction" (in Anlehnung an die frühren Autoren des Pulp und Horror-Genres wie etwa H. P. Lovecraft). Er gehört zu einer Gruppe von Schriftstellern, die bewusst versuchen, das Fantasy-Genre weiterzuentwickeln, fort von der verbreiteten tolkienesken Fantasy. Miéville wurde in London geboren, wo er gegenwärtig auch lebt. Mit achtzehn Jahren unterrichtete er Englisch in Ägypten, wo er sein Interesse für die arabische Kultur und die Politik des Mittleren Ostens entdeckte. Miéville studierte in Cambridge und an der London School of Economics. Sein erster Roman, König Ratte, wurde von Lesern und Kritikern mit Begeisterung aufgenommen. Die Weber und Die Falter gewannen den Arthur-C.-Clarke-Award und waren für den Hugo-, Nebula- und World-Fantasy-Award nomniert. Sein dritter Roman, Die Narbe, wurde 2003 für den Arthur-C.-Clarke- sowie für den World-Fantasy-Award nominiert.


Meinung:
Das Genre, in das das Buch einsortiert wird, wird als „New Weired“ beschrieben, und das trifft auch voll zu. Der Autor beschreibt eine Spezies, die dem Menschen fremd ist (insofern ist das nicht neu) und er macht es an dem Werkzeug „Sprache“ fest (hier wird es spannend). Die fremde Spezies verfügt über eine einzigartige Sprache, die darauf ausgelegt ist, nur die Wahrheit und konkrete Dinge beschreiben zu können. Lügen ist (fast) unmöglich, was aber für beide Seiten kein Problem darstellt. Doch dann kommt es zum Bruch und die fremden Wesen, die Ariekei eröffnen sich einen völlig neuen Umgang mit ihrer Sprache.
Hier mag das Buch zuerst Linguisten ansprechen, die damit umgehen können, ob Sprache nun ausschließlich konkrete Beschreibungen erlaubt oder abstrakte Beschreibungen erlaubt (vereinfacht gesagt geht es um bestimmte und unbestimmte Artikel)... das klingt jetzt etwas kompliziert, wird im Verlauf der Geschichte aber auch für nicht-Sprachwissenschaftler gut erklärt – ich glaube, es verstanden zu haben. Wie auch immer, der Bruch in der Anwendung der Sprache bei den Ariekei wird als positive Entwicklung aufgefasst, als Ausbruch aus der Gefangenschaft (hier wird übrigens eine auch wieder interessante Herleitung des Begriffs verwendet), in der sie sich durch ihre ursprüngliche Sprachauffassung befunden haben.
Bei aller Erzählkunst und der großartigen Fähigkeit des Autors, diese komplizierten Aspekte gut zu vermitteln (allerdings musste ich manche Passagen zweimal lesen), ist hier für mich der eigentliche Kritikpunkt zu finden. Das Buch hätte eine hervorragende Phantastik angegeben, wenn es nicht so positiv geendet hätte. Alle sind zufrieden und die Ariekei haben durch den Menschen ihre ursprüngliche Kultur verloren. Dies wird völlig kritiklos an alles Seiten akzeptiert, was ich schade finde, denn hier hätte durchaus ein Brückenschlag zu aktuellen Fragestellungen bezüglich der Einmischung in fremde Kulturen erfolgen können. So bleibt eine zwar hoch interessante Thematik übrig, das Happy End jedoch ist meiner Meinung nach nicht angebracht.

Fazit: 7
Interessanter Sci-Fi-Titel, der einen neuen Blick auf das Thema „Sprache“ wirft, aber nicht konsequent genug in einer kritischen Betrachtung der Folgen ist.

Weitere Informationen

  • Autor: Alpers, Hans-Joachim
Letzte Änderung am Dienstag, 26 Februar 2013 22:00

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