Das Drachenei (Forward, Robert L.)

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Drachenei ForwardSind wir allein im Weltall? Was ist, wenn sich eine uns völlig fremde Spezies unter unmöglich erscheinenden Bedingungen entwickelt? Und was ist, wenn wir uns begegnen? Wer wird hier vom wem lernen?

Autor:
Robert L. Forward wurde 1932 in Geneva, New York geboren. Er zählte zu den Pionieren auf dem Gebiet der Gravitationsastronomie und arbeitete als leitender Wissenschaftler bei der Hughes Research Labs, bevor er wissenschaftlicher Berater der NASA und der U.S. Air Force wurde und sich dem Schreiben widmete. „Das Drachenei“ wurde mit dem Locus Award (eine der bedeutendsten Auszeichnungen für SF- und Fantasy-Literatur) ausgezeichnet und gilt bis heute als großer Klassiker der Science Fiction. Bis zu seinem Tod im Jahre 2002 lebte der Autor in Seattle, Washington.

Inhalt:
Im Jahr 500.000 vor Christus entstand in den Weiten unserer Galaxis ein Neutronenstern. Im Jahr 2050 bricht ein Expeditionsteam auf, um diesen Neutronenstern, genannt das Drachenei, zu erforschen, und macht eine unglaubliche Entdeckung: Auf dem Drachenei, dem vermutlich unwirtlichsten Ort im ganzen Universum, existiert Leben! Doch für die Cheela, die Bewohner des Dracheneis, vergeht die Zeit unendlich viel schneller als für die Menschen und so wird das Expeditionsteam Zeuge, wie eine fremdartige Spezies die Entwicklung von der Steinzeit bis zur Hochtechnologie durchläuft – und das alles an einem Tag!

Meinung:
Es sind nicht immer die Neuerscheinungen, die sich spektakulär lesen lassen. Auch die Klassiker der SciFi-Literatur sollten nicht vernachlässigt werden, wie hier „Das Drachenei“, ein Roman aus dem Jahre 1980. Sicher, einiges der im Buch beschriebenen Technik und auch der politischen Situation auf der Erde wirkt inzwischen antiquiert, aber darum geht es nicht. Auf den knapp 400 Seiten wird die Entwicklung einer fremdartigen Spezies beschrieben, von ihren Anfängen als primitive Jäger, über die Entwicklung von Religion, Gesellschaftsformen, Technologie und Wissenschaften.
Robert L. Forward hat hier ein wirklich feines Stück phantastischer Literatur abgeliefert, denn die Parallelen zur Erde sind unverkennbar und nicht immer kommen unser Mutterplanet und die Bewohner desselben dabei gut weg. Es sind stets die vermeintlich kleinen Dinge, die so genannten Zufälle, die immer wieder zu neuen Entdeckungen und Erkenntnissen führen. Große Umstürze finden statt, nur, weil auf einmal ein Stern am Himmel erscheint oder seine Position verändert und es wird nur zu deutlich, dass auch fremde Spezies von den gleichen Problemen geplagt sein können wie die Menschen - ob es nun Machtgier ist oder Misstrauen, Missgunst oder schlichter Unglauben. Insbesondere diese Parallelen heben das Buch noch einmal aus der klassischen SciFi heraus.

Daneben gerät die eigentliche Geschichte aber nicht zu kurz: 2 Spezies mit extrem unterschiedlichen Lebensrhythmen treffen aufeinander und tauschen im Laufe ihrer Evolution die Rollen des Lehrers und des Schülers. Dieser Ansatz ist genial und sorgt dafür, dass in Laufe der Geschichte die Spannung konstant gehalten wird und man den nächsten Schritt kaum erwarten kann. Gelungen ist in diesem Zusammenhang auch der „Wissenschaftliche Anhang“ des Buchs, der im klassischen Wissenschaftsstil inklusive Literaturangaben grundlegende Informationen vermittelt. Es schadet übrigens nicht, wenn man diesen Teil zuerst liest, dann wird so manche Textstelle verständlicher. In diesen Zusammenhang muss man auch die in sich geschlossen wirkende Darstellung der Vorgänge auf einem Neutronenstern bewundern.

Alles in allem bleibt ein erfrischendes Stück Literatur übrig, das hochklassige Science-Fiction mit der Betonung auf „Science“ liefert und fast sogar plausibel erscheint. Der Autor hat hier durch seinen wissenschaftlichen Hintergrund aus dem vollen geschöpft und diesen mit einer guten Prise Inspiration zu einem gelungenen Buch verarbeitet.

Fazit:2
Ein Klassiker der Science-Fiction, der sich immer noch frisch lesen lässt und mit einem faszinierenden Konzept aufwartet.

Weitere Informationen

  • Autor: Alpers, Hans-Joachim

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