An fremden Gestaden (Spohr, Alex)

Artikel bewerten
(2 Stimmen)

An-fremden-GestadenEine neue Welt, die Aussicht auf Unsterblichkeit und der Auftakt zur Erforschung der unbekannten Lande Uthurias … ein viel versprechendes Abenteuer in fremden Gestaden.

Klappe:
Die goldene Stadt Aurika, Pyrdacors Insel und die Rose der Unsterblichkeit – alle jene verheißungsvollen Legenden sollen in Uthuria, dem geheimnisvollen Südkontinent, zu finden sein. Zu allen Zeiten haben mutige Abenteurer und Seefahrer versucht die fernen Gestade zu erreichen, doch bislang war die Passage dorthin von der gefährlichen Sargasso-See und ihren Seeschlangen versperrt. Stürme und Flauten machten die Überfahrt bisher schier unmöglich. Doch nun dringen Gerüchte zu den Helden vor, die von einer Möglichkeit künden, das Feuermeer zu überwinden.

Im Auftrag Stover Regolan Stoerrebrandts sollen sie eine Expeditionsflotte zusammenstellen und sich auf den gefahrvollen Weg durch die südliche Charyptik zu machen. Doch auch das Horasreich und das Imperium von Al’Anfa schicken ihre besten Kapitäne aus, um einen Seeweg nach Uthuria zu finden – und die Helden sind für sie unliebsame Konkurrenz, die sie gerne ausschalten würden.

Fremde Kulturen, sagenumwobene Schätze und Wunder jenseits aller Vorstellung warten auf ihre Entdeckung. Doch birgt nicht nur der Weg nach Uthuria Gefahr. Das fremde Land soll von Schwarzogern, Zitadellenechsen und Glasdrachen bewohnt sein, deren liebste Speise Menschen sind.
Wird es den Helden gelingen, das Feuermeer zu überwinden und als erste ihren Fuß auf Uthuria zu setzen? Oder werden sie das Schicksal der hundert anderen Glücksritter teilen, die nie zurückkehrten? Und falls sie es schaffen Uthars Land zu finden, was wird sie dort erwarten? Werden sie Aurika finden? Oder gar die Uthurische Rose und damit das Geheimnis der Unsterblichkeit?

Autor:
Der neue Band wurde vom Ulisses-Redakteur Alex Spohr und Verlagsleiter Mario Truant betreut und erstellt. Während ersterer das neuere Bild von DSA mit unzähligen Publikationen (Abenteuern, Redaktionsarbeiten, einem Roman und Quellenbänden) geprägt hat, ist Mario Truant schon seit 1987 im Verlagsbereich für Pen & Paper tätig und gründete 1990 auch den Mario-Truant-Verlag, der mittlerweile mit Ulisses-Spiele zusammen gelegt wurde.

Meinung:
Der erste Eindruck des Abenteuers ist erst einmal wunderbar – ein dickes 158 Seiten umfassendes Werk, mit vielen neuen Zeichnungen und einer farbigen Karte von einem Teil Uthurias (leider wieder nicht als Karte beigelegt sondern direkt im Buchumschlag). Sowohl für den Meister als auch die Spieler werden in dem zwischen 1035 und 1036 BF spielenden Abenteuer eine hohe Komplexität sowie erfahrene Helden (6.000 bis 8.000 AP) vorausgesetzt. Auch wird gleich zu Beginn auf die Sicherheit einer Zweitbesetzung bei den Helden hingewiesen, da man bei dieser Expedition einen verstorbenen Helden nur schwer durch einen vollkommen neuen Charakter ersetzen kann. Leider wird bereits im Vorwort wieder Interesse an die Abenteuer vorbereitenden Romanen geweckt, obwohl noch nicht einmal der erste Teil des Zweiteilers bislang erschienen ist. Hoffen wir, dass es nicht wieder eine Nummer wie bei der Drachenchronik mit dem Soundtrack und den beiden Romanen wird. Im Präludium wird dem Meister wie gewohnt ein kleiner Überblick über die Vorgeschichte des Abenteuers und Motivationen der verschiedenen Parteien geboten, sowie die immer wiederkehrende Leitmotive des ersten Abenteuers in Uthuria: Die uthurische Rose der Unsterblichkeit, die starke Präsenz des Namenlosen auf Uthuria und die 12.000 Götter. Angeblich soll das Abenteuer nicht linear sondern als Sandbox aufgebaut sein, sondern sich entsprechend der Handlungen der Helden entwickeln soll (ausgenommen von einigen Eckpunkten).

Im ersten Kapitel werden die verschiedenen Parteien mit ihren Vor- und Nachteilen vorgestellt, so dass man eine einigermaßen solide Grundlage dafür hat, auch einen anderen Auftraggeber als den im Abenteuer festgelegten Stoerrebrandt einzusetzen. Die Uthuria-Fahrer (Stoerrebrandt, Horasier und Alanfaner) sowie verschiedene Questgeber (Verschiedene Kirchen oder Handelsorganisationen) werden einmal kurz vorgestellt und ihre Motivationen als auch Ressourcen skizziert. Nach einer kurzen Anwerbungsszene konzentriert sich ein erschreckend großer Teil um die Ausstattung der Expedition (fast 12 Seiten!), was etwas überfrachtet erscheint – auch wenn die Regelungen zur Loyalität der Mannschaft und deren Folgen später auch immer mal wieder aufgegriffen werden und ein nettes Gimmick sind. Leider wird im Verlauf des Abenteuers immer deutlicher, dass man im Grunde das Abenteuer teils komplett alleine schreiben muss, wenn man einen anderen Auftraggeber als den vorgegeben Stoerrebrandt auswählt.

Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit der Überseereise nach Uthuria. Einige Seiten Einführung starten mit dem gewöhnlichen Tagesablauf, Entbehrungen, Krankheiten, einigen generischen Ereignissen auf dem Meer und der Fortbewegung sowie ein kurzer Abriss der anderen Expeditionen. Sehr hilfreich sind vor allem die Aufstellung der möglichen Orte und Inseln, die auf der Expedition wahrscheinlich angesteuert werden. Im einheitlichen Format aufbereitet folgt zuerst ein kleiner Kasten mit den Namen des Schauplatzes, der politischen Zugehörigkeit, dort befindliche Orte, die Bewohner, einige markante/wichtige Persönlichkeiten, die vorherrschende Flora/Fauna und verfügbaren Ressourcen. Nach einer einleitenden Beschreibung folgen Szenariovorschläge als auch Werte von spielrelevanten Personen und Tieren. Wenn auch auf dem Meer selbst nichts außer eher generischen und auswürfelbaren Ereignissen geschieht, so hat der Spielleiter auf den Inseln und orten viele Möglichkeiten den Helden eine interessante Reise zu bieten, bis die Helden schließlich in der Bucht von Porto Velvenyo in Uthuria an Land gehen.

Der dritte Teil des Abenteuers beschäftigt sich mit den ersten Schritten der Helden auf dem uthurischen Kontinent. Dabei soll der Fokus auf der Errichtung eines Lagers, dem Kontakt mit den Einheimischen als auch der Erkundung der Umgebung liegen. Doch auch drei große Questen warten auf die Helden. Leider fehlen vor allem für die ersten elementaren Aufgaben wichtige Details und die Ausarbeitung, da man sich bei dem Abenteuer vor allem auf die drei Questen im Kampf gegen die Khartariaks, dem Stab des Numinoru und einem ersten Vorstoß in den Osten konzentriert. Lustigerweise hat die DAS-Redaktion nun endlich die Chance genutzt, endlich Kaffe im DSA-Universum einzuführen und auch vom NSC Stoerrebrandt konnte und wollte man sich wohl nicht trennen, denn er kommt durch ein Ereignis zu neuem „Leben“. Leider muss vom Spielleiter noch viel Arbeit investiert werden, um die bruchstückhaften Informationsteile an manchen Stellen spielgerecht aufzubereiten. Zwar sind die ausführlichen (und simulationsartigen) Regelungen für Erstkontakte und Beziehungsgeflechte nett, aber man hätte den Platz lieber für mehr Hintergrundinformationen nutzen sollen.

In einem Epilog wird noch auf die Entwicklungen der anderen Expeditionen als auch auf die Veränderungen in Uthuria nach dem Kontakt mit den Aventuriern eingegangen. Ab Seite 116 folgen dann zahlreiche Informationen über Artefakte, Uthurische Völker, Flora und Fauna, Personen und einige Regeln.

Fazit: 7
An den Band hatte ich hohe Erwartungen und wartete mit Spannung auf die Umsetzung der Reise nach Uthuria. Generell ist das Abenteuer ein solides Machwerk, dass aber an einigen Stellen irgendwie halb fertig und unausgearbeitet wirkt (besonders im dritten Kapitel). Auch wenn einiges neues Material und besonders in den ersten beiden Kapiteln viel Hintergrundwissen geboten wird, so mangelt es teilweise irgendwie Plotinput, denn trotz eines Sandkastenaufbaus muss dieser vorhanden sein. Irgendwie fehlt der zündende Funke, der Uthuria ausmachen sollte und man hätte sich viel lieber auf das eigentliche Erkunden des neuen Kontinents konzentrieren sollen anstatt den Großteil des Buches mit Ausrüstungsregeln und Simulationsspiel zu belegen. Dieser Platz fehlt am Ende einfach und nimmt dem Abenteuer den Reiz des gewollten Expeditionsabenteuers.

Letzte Änderung am Mittwoch, 17 Juli 2013 16:02

Schreibe einen Kommentar

RizVN Follow Us
Follow us on FacebookFollow us on TwitterFollow us on Youtube