Schutzengel mit ohne Flügel (Paasilinna, Arto)

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Schutzengel mit ohne FluegelEin tollpatschiger Schutzengel, ein leidgeplagter Schützling, zwei Frauen und ein Leichenwagen machen dem Teufel fast Konkurrenz ...

Klappe:
Sulo Auvinnen ist ein Engel-Aspirant und hat gerade den Grundkurs in „Himmlische Beschützen“ abgeschlossen. Im Leben ein hoffnungsloser Tollpatsch bekommt er als ersten Job eine einfache Aufgabe zugeteilt: Er soll Aaro Korhonen beschützen, einen Mann in den Vierzigern, dem das Glück (bisher) stets hold war. Aaro ist wohlhabend und mit sich im Reinen. Bis Schutzengel Sulo seine Arbeit aufnimmt…

Autor:
Der 1942 geborene Autor ist in Finnland einer der populärsten Autoren und hat mittlerweile rund vierzig Romane geschrieben, die in viele verschiedene Sprachen übersetzt wurden. Er gilt als Meister des skurrilen Humors und wurde mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet. Meinung: Wer keine anderen Bücher des Autors kennt und nicht mit der finnischen Mentalität vertraut ist, wird in diesem Buch sehr schnell mit beiden vertraut gemacht. In gewohnt trockener Weise nimmt Paasilinna ein skurriles Thema auf und formuliert es in eine ungewöhnliche Geschichte. Nachdem das ruhige und recht glückliche Leben Aaro Korhonens einmal kurz vorgestellt wird, beginnt der Autor schnell in den humorigen Buches abzudriften: Denn Engel gibt es wirklich und der Himmel der Engel ist in Kermäki. Natürlich sind alle Engel für das menschliche Auge unsichtbar und „normale“ Verstorbene haben einen eigenen Himmel, doch die große Holzkirche in Lappland wird besonders von den Schutzengeln zur Ausbildung und zum Austausch von Erfahrung genutzt. Der jüngst verstorbene Religionslehrer Sulo brennt darauf ein Schutzengel zu werden, auch wenn er tags seines Lebens seinem Umfeld immer nur Unglück brachte. Ungeachtet dessen bekommt er eine Chance und nach knapp bestandener Schutzengelprüfung sogar einen Menschen zugeteilt. Zwar ist Aaro derzeit glücklich mit seinem Leben, doch Sulo nimmt sich vor dieses mit seiner geistigen Kräften noch lebenswerter zu machen. So lenkt er dessen Geschicke und die Gedanken seiner Umwelt sanft und hält auch nicht vor Wetterbeeinflussung zugunsten seines Schutzbefohlenen inne.

Die Überlegungen zum Gehalt von Engeln, ihren körperlichen Funktionen und der Struktur des Himmels reizen zum Schmunzeln und wecken beim Leser gleich Sympathie für den tollpatischen Schutzengel, der für seinen Schützling immer nur das Beste will und dennoch immer alles nur noch schlimmer macht. Witzig auch, dass irgendwann auch die Gegenseite Wind von den katastrophalen Schutzversuchen Sulos bekommt und sowohl an dessen Schützling als auch am Schutzengel selbst Interesse zeigt. Wenn auch der Hauptcharakter Aaro oft etwas blass und willensschwach wirkt, gelingt es dem Autor umso mehr die anderen Charaktere lebendig und interessant in die Handlung zu verweben. Sei es die hartnäckige Lehrerin Nuutinen, der Teufel Launonen oder auch der freundliche Leichenwagenfahrer Oskari – ohne sie wäre die leider oft vorhersehbare und dahinplätschernde Handlung sehr farblos. Irgendwie wiederholt sich die Katastrophenanbahnung und Unfähigkeit Sulos zur Verhinderung immer wieder und wirkt dadurch eher gekünstelt als witzig. Sulos letzte große Prüfung mit seinem Widersacher im letzten Teil des Buches ruft aber wunderbar noch einmal Spannung hervor und das Ende passt genau zu der Vorstellung, die man bisher vom leidgeplagten Schutzengel erhalten konnte.

Generell wäre es dem Buch und der Spannung zuträglicher gewesen, anstatt der zahllosen detaillierten Unfälle Aaros mehr Interaktion mit dem „Himmel“ und Oberengeln zu erleben oder mehr aus der Sicht des teuflischen Widersachers zu erfahren.

Fazit: 4
Das Buch nimmt im ersten Drittel witzig Fahrt auf, doch leider lässt die Spannung im Laufe des Buches deutlich nach. Wer einen leichten Unterhaltungsroman sucht, der als leichter Lesestoff auch immer mal wieder vom Alltag unterbrochen werden kann, liegt hier richtig. Ich persönlich habe vom gefeierten finnischen Autor mehr schwarzen Humor und skurrile Ideen erhofft und erwartet.

Weitere Informationen

  • Autor: Alpers, Hans-Joachim
Letzte Änderung am Mittwoch, 08 August 2012 15:08

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