Das Hotel (Kilborn, Jack)

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das hotel KilbornEin Hotel in dem Menschen verschwinden. Nur die Schreie künden von ihren unendlichen Qualen. Doch immer wieder zieht es Gäste in DAS HOTEL.


Klappe:
Aus diesem Hotel reist niemand lebend ab. In der idyllischen Abgeschiedenheit der Hügel West Virginias liegt das Rushmore Inn, ein kleines familienbetriebenes Hotel. Im Rushmore Inn wird Service noch großgeschrieben, denn hier kümmert man sich um seine Gäste. Mit Haut und Haaren. Im wahrsten Sinn des Wortes …

Autor:
Bei diesem Titel handelt es sich um den zweiten Roman des US-Autors Joseph A. Konrath unter dem Pseudonym Jack Kilborn. Unter seinem richtigen Namen J. A. Konrath hat der Autor bereits einige Thriller veröffentlicht. Da ich aber keinen davon bisher gelesen habe, kann ich keine Vergleiche ziehen.

Meinung:
Wer den Klappentext gelesen hat, weiß eigentlich sofort, was auf den Leser zukommt. Wer ihn nicht gelesen hat, weiß es dann spätestens nach dem ersten Kapitel, wo der Leser unmißverständlich eingenordet wird: Das Hotel wird von einigen „Psychos“ betrieben, die ihre Gäste gefangenhalten, foltern, töten und was man halt sonst noch so in Horrorfilmen mit den Opfern – insb. Frauen – anstellt. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Die Versuche des Autors, diesem Treiben den Anschein von Nachvollziehbarkeit zu verleihen, machen die Geschichte nur lächerlich. Auch sonst kann bei der Handlung von Plausibilität keine Rede sein: Da verschwinden über viele Jahre Teilnehmerinnen an einem Extremsport-Wettbewerb (für den Iron Woman Wettbewerb melden sich ja im allgemeinen nicht gerade die unbekannten Computer-Nerds ohne soziale Kontakte an), aber das fällt niemandem auf und keiner kommt auf die Idee Nachforschungen anzustellen, Ermittlungsbehörden schon gar nicht. Aber selbst wenn es jemand tut, soll das durch eine irgendwie nicht nachvollziehbare (der Autor versucht es nicht einmal) Verschwörung verhindert werden. So gewinnt man dann doch schnell den Eindruck, daß es vor allem um die Beschreibungen von Gewaltexzessen geht und die Handlung eigentlich nur dazu dient, um die Gewaltbeschreibungen in irgendeinem Zusammenhang miteinander zu verknüpfen. Inhaltlich begibt sich der Leser auf den „Wrong Turn“ zum „Texas Chainsaw Massacre“ in Buchform.

Es bleibt dann auch wenig Raum für Überraschungen, die über den – und insoweit genretreuen – Spannungsbogen, welchen Charakter es wann und vor allem wie „erwischt“ und welcher bis zum Ende „durchhält“, hinausgehen.
 
In diesem Punkt muß man aber durchaus die Fähigkeit des Autors anerkennen, interessante Charaktere zu schaffen und sich entwickeln zu lassen. Eine Sportlerin, die trotz des Verlustes ihrer Beine mit Hilfe von Prothesen an einem Marathonlauf teilnimmt, ist ganz sicher kein Klischeecharakter! Es gelingt dem Autor, Charaktere zu schaffen, die man einfach „mag“ – was natürlich eine Grundvoraussetzung ist, um überhaupt weiterlesen zu wollen. Das bleibt aber auch der einzige Grund.

Es ist also nicht so, daß man dem Autor seine schriftstellerische Befähigung absprechen könnte. Es gelingt ihm, die Charaktere und die Handlung gut zu visualisieren – also dem Leser „Kopfkino“ anzubieten. Es bleibt aber eben ein Kopfkino ohne jeglichen Anspruch und mit fragwürdigem Inhalt.

Fazit:4
Es bleibt zu hoffen, daß die Behauptung des Verlags „Jack Kilborn gibt dem Horror ein neues Gesicht“, eine leere Drohung bleiben wird. Wer sinnlose Horrorstories mag, wird dem Roman etwas abgewinnen können und als Horrorfilm könnte die Story ganz gut ankommen (wenn man billige, sinnfreie Horrorfilme mag!). Als Buch konnte es mich trotz interessanter Charaktere aber nicht überzeugen. Vielleicht bin ich altmodisch, weil ich in einem Buch einfach eine Handlung erwarte, die zumindest noch einigermaßen plausibel ist. Beim Lesen eines Buches fallen Ungereimtheiten viel leichter auf, als in einem Film, weil man mehr Zeit hat, nachzudenken und zu hinterfragen. Fängt man damit an, kippt – jedenfalls war es bei mir so – die ganze Story in sich zusammen und eine unplausible Story kann dann auch keinen Horror mehr transportieren.

Weitere Informationen

  • Autor: Alpers, Hans-Joachim

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