Die Töchter der Heilerin (Sharratt, Mary)

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Toechter der heilerin SharrattHandelt es sich um Hexen oder Heilerinnen? Sind es harmlose alte Frauen oder finstere, dämonische Wesen? Eine Gerichtsverhandlung wird über ihr Schicksal befinden.

Inhalt:
Lancashire, 16. Jahrhundert: Die Witwe Demdike lebt mit ihrer Tochter Liza in einem Turm am Rand des Pendle Forest. Die Menschen tuscheln, wenn sie vorübergehen. Denn die beiden Frauen sind etwas Besonderes: Sie können heilen, und sie können Geheimnisse lüften. Diese Fähigkeiten bringen sie jedoch in Gefahr. Denn zur Zeit der Hexenverfolgung ist der Grat zwischen guter Magie und Hexerei schmal.

Als Demdikes Freundin Annie sie um Hilfe bittet, weil ihre Tochter von einem Adligen bedrängt wird, gibt Demdike ihr Können an sie weiter. Aber das magische Wissen ist ein gefährliches Werkzeug in Annies Händen, denn sie ist wild und leidenschaftlich. Bald geraten die Frauen in Gefahr, als ein ehrgeiziger Richter nach Pendle Forest kommt. Ein Mann, der sich der Hexenjagd verschrieben hat...

Autor:
Mary Sharratt stammt aus Minneapolis, Minnesota. Sie lebt seit sieben Jahren in Pendle, einer Region in Lancashire, England. Die Inspiration für „Die Töchter der Heilerin“ entsprang dieser wilden, ungezähmten Landschaft. Sharratt hat ausführlich in historischen Dokumenten recherchiert: Alle zentralen Figuren und Ereignisse entstammen den Aufzeichnungen des Gerichtsschreibers Thomas Potts über die Hexenprozesse des Jahres 1612 in Lancaster.
Mary Sharratt bekam 2005 für den Roman „The Real Minerva“ des WILLA Literary Award, benannt nach der amerikanischen Pulitzerpreisgewinnerin Willa Cather.

Meinung:
Die Autorin nimmt sich eines dunklen Kapitels der englischen Geschichte an: den Hexenverfolgungen. Hierzu orientiert sie sich an historischen Dokumenten, denen sie mit einer detaillierten Beschreibung des Alltags der Hauptpersonen Leben einhauchen möchte. Möchte... leider, denn die Autorin hat sich sehr stark an die Originalaufzeichnungen gehalten, zu denen sie selbst anmerkt, dass insbesondere die „Geständnisse“ der Hexen manipuliert sein können. Und es wahrscheinlich auch waren, denn die Geschichte baut sehr stark auf der Beziehung von Mutter Demdike zu ihrem Schuzgeist „Tibbs“ auf. Ebenso werden weitere dieser Schutzgeister erwähnt, die anderen „Hexen“ beistanden und ihnen behilflich waren. Dagegen hätte ich nichts einzuwenden, würde es sich um eine Geschichte handeln, die sich an historische Fakten nur anlehnt, darüber hinaus aber bewusst Fantasyelemente aufnimmt, um die im britischen Raum in der Mythologie bekannten Naturgeister einzubinden.

Da sich die Geschichte aber an historischen Unterlagen und somit Fakten orientiert, wird der Aspekt der Schutzgeister für mich zu stark in den Mittelpunkt gerückt: Es wird tatsächlich Magie gewirkt, es wird geheilt und es wird auch verflucht. Ein rationaler Erklärungsansatz wird erst gar nicht gesucht, obwohl die vermeintlichen „Geständnisse“ mehr Fragen aufwerfen als Antworten geben. Hier wurde meiner Meinung nach ein guter Ansatz vergeben, ein Ansatz, in dem man noch stärker hätte herausarbeiten können, dass die Hexenprozesse unbegründete, auf Aberglauben und Fehlinterpretationen basierende Scheinprozesse waren. So aber bleibt der Beigeschmack, dass es doch Hexenwerk und auch böses Hexenwerk geben kann und die Hexenverfolgungen vielleicht doch nicht ganz zu Unrecht durchgeführt wurden, auch wenn sie im Buch (und damals, 1612) zur Verurteilung Unschuldiger geführt haben – mit tragischem Ausgang.

Positiv ist aber zu vermerken, dass das Bild, das die Autorin von der englischen, dörflichen Landschaft zeichnet, sehr stimmungsvoll und einfühlsam gerät. Sie schildert die guten Zeiten, in denen es genug zu Essen gibt, in denen fröhlich gefeiert wird und in denen man seinen Glauben frei ausleben kann. Sie schildert aber auch die traurigen Zeiten, Zeiten, in denen Hunger, Unterdrückung und Verfolgung herrschen. Diese Bandbreite macht das Alltagsleben aus, in denen sich die Menschen behaupten müssen, sie leben, sie lieben, sie werden geboren und sie sterben. Diese atmosphärischen Schilderungen heben das Buch durchaus heraus und machen es lesenswert.

Fazit:7
Stimmungsvoller Roman, der sich eines dunklen Kapitels annimmt, aber etwas zu sehr an den historischen Vorlagen klebt, um eine echte Eigenständigkeit entwickeln zu können.

Letzte Änderung am Samstag, 09 Juni 2012 22:21

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