Krieger, Krämer und Kultisten

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Krieger Kraemer KultistenEin Meisterpersonenband der purpurnen Delux-Reihe. NSCs mit farbigen Bildern und Werten als Stütze für den Spielleiter. Lange erwartet, doch hält es den Erwartungen der Fans stand?



Klappe:
Jede Heldengruppe trifft während ihrer Abenteuer auf die unterschiedlichsten Meisterpersonen. Während viele von ihnen nur eine zufällige Begegnung am Wegesrand, auf dem Marktplatz oder in der Taverne bleiben, sind andere wertvolle Informanten, finstere Gegenspieler, treue Freunde oder auch unerwartete Verbündete: Der dickbäuchige Wirt, in dessen Gasthaus sich die Helden einquartieren, ein blutrünstiger Orkräuber, welcher der Gruppe mit seiner Bande an der Weggabelung auflauert oder die junge Magd, die unverschuldet in Not geraten ist und die Helden um Hilfe bittet.

Krieger, Krämer und Kultisten stellt Ihnen stimmungsvolle Beschreibungen für über 60 farbig bebilderte Meisterpersonen zur Verfügung und bietet neben zahlreichen Abenteuerideen auch praktische Wertekästen, um so eine schnelle Anpassung der Spielwerte an erfahrene Heldengruppen zu ermöglichen. Außerdem finden Sie auch kulturspezifische Aufsätze für den Einsatz der Meisterpersonen außerhalb des Mittelreiches.

Im Anhang finden Sie hilfreiche Hinweise zur Ausgestaltung von Meisterpersonen im Spiel. Namenslisten, eine ausführliche Übersicht für Personenbeschreibungen und eine Tabelle mit Seelentieren geben dem Meister alles an die Hand, um die Begegnungen seiner Heldengruppe spontan und individuell auszugestalten.

Redakteure/Autor/Zeichner:
Der neue Band wurde vom Ulisses-Redakteur Alex Spohr und Verlagsleiter Mario Truant betreut und erstellt. Während ersterer das neuere Bild von DSA mit unzähligen Publikationen (Abenteuern, Redaktionsarbeiten, einem Roman und Quellenbänden) geprägt hat, ist Mario Truant schon seit 1987 im Verlagsbereich für Pen & Paper tätig und gründete 1990 auch den Mario-Truant-Verlag, der mittlerweile mit Ulisses-Spiele zusammen gelegt wurde. Andre Wiesler steuert für den Meisterpersonen-Band die unzähligen Geschichten bei und ist ebenfalls seit einem langem Zeitraum immer wieder mal für DSA tätig gewesen. Die zahlreichen Zeichnungen werden von den Zeichnern Colin Michael, Ashcroft, Anja di Paolo, Melanie Meier, Anna Steinbauer und Florian Stitz beigesteuert, wobei dies für einige von ihnen eine DSA-Premiere ihrer Zeichnungen ist.

Meinung:
Der Meisterpersonenband kommt in einer ganz neuen Farbe als die bisherigen Themenbände. Purpur soll es sein – nicht etwa das Purpur als Zeichen des Namenlosen sondern vielmehr das Purpur der Könige. Diese Reihe soll der erste Teil einer Art Luxusausgaben sein, der dem Spielleiter verschiedene mittelreichische Meisterpersonen vorstellt. Im ersten Eindruck ist der Band von stabiler Qualität und macht mit seinen 202 Seiten einen soliden (und gewichtigen) Eindruck. Nach dem ersten Aufschlagen weiß der komplette Vollfarbdruck mit seinen unzähligen Zeichnungen das Auge zu erfreuen. Oben rechts in der Bildleiste zeigt das ganz rechts stehende Symbol außerdem an,  in welchen Bereich die Meisterperson einzuordnen ist (Magie, Kampf, Handwerk etc.) Das ist zwar gut gemeint, aber leider sind die Meisterpersonen nach Berufsbezeichnung und nicht nach Kategorie sortiert und nirgends stehen die 7 verschiedenen Bilder kurz erläutert … was direkt dazu führt, dass ein sicherlich hilfreicher Index leider vollends fehlt. Bleiben wir kurz noch bei dem Layout: die einheitliche Präsentation der Meisterpersonen verleiht dem Band eine professionelle Struktur und lässt den Spielleiter sich schnell einfinden. Dank der Vollfarbe des Bandes kommen die Portraits der vorgestellten Personen besonders gut zur Geltung. Viele der Bilder wissen zu überzeugen und sind sogar als herausragend zu bezeichnen und insgesamt bieten die Zeichnungen doch einen schönen Überblick über das Erscheinungsbild der verschiedenen Mittelreicher. Leider sind auch zwei Zeichner dabei, deren Farb- und Darstellungsstil so gar nicht zum Rest des Bandes passen und die teilweise an Untote gemahnenden Teints einiger Personen oder lieblos skizzierte Gesichtsausdrücke mindern das Bildervergnügen etwas.

Jede vorgestellte Persönlichkeit wird zunächst mit einer mal längeren, mal kürzeren Geschichte vorgestellt, in der man sich neben dem Bild vorab einen kleinen Eindruck der Meisterperson machen erhält. Einige Zitate der Person lockern den Text auf und im Anschluss folgen die regeltechnischen Hintergründe. Dabei werden nicht nur alle Eigenschaften, Vor- und Nachteile, Talente/Zauber und Sonderfertigkeiten sondern auch die errechneten Kampfwerte sowie Variationen für die erfahrene Version oder des Veteran dieses Charakters aufgelistet. Auch wird bei jeder Person das Seelentier aufgeführt, auf das im Anhang noch einmal näher eingegangen wird. Ein kleiner grauer Kasten zeigt dem Meister mögliche Dienstleistungen der Person mit samt Preisen auf und mittels einer Namensliste kann die Meisterperson verschieden präsentiert werden. Im Anschluss folgen einige generische, wenn diese teilweise etwas stereotypisch angelegt sind.

Im Anhang finden sich einige mögliche Variationen der Werte je nach regionaler Ausprägung sowie eine umfangreiche Aufstellung von Charaktereigenschaften, Tabellen bezüglich des Erscheinungsbildes und Namen, die den Spielleiter auch bei der Generierung eigener Meisterpersonen unterstützen. Das Schlussbild wird von einer Kurzbeschreibung von Seelentieren gebildet, wobei sich hier auch erstmalig eine originellere Auflistung der verschiedenen Ausprägungen findet als die bislang publizierten Listen.

Es mag sich die Frage stellen, welche Zielgruppe ein solcher Band ansprechen soll oder kann. Ein DSA-Neuling findet sowohl in seiner Funktion als Spieler als auch Meister unzählige hilfreiche Anregungen und Hilfestellungen: sei es um einen Charakter einfach zu übernehmen, bei der Vorbereitung eines Abenteuers auf bereits fertig gestellte Meisterpersonen zurückgreifen zu können oder um schnell einen aus dem Handgelenk geschüttelten NSC mit Werten und eventuell Abenteueraufhängern zu versehen. Während letzteres auch DSA-Veteranen nützen mag, so bilden doch hauptsächlich die Vollfarbigkeit und der damit verbundene visuelle Eindruck des Mittelreichs und seiner Bewohner einen Hauptanziehungsgrund. Vielleicht hätte der Band mehr gewonnen, mit einem geringeren Schwerpunkt auf die doch teils langen Vorgeschichten und lieber mehr Wert auf innovative Abenteueraufhänger oder mehr Variationen der einzelnen Meisterpersonen gelegt hätte. Insgesamt kommt es eher wie ein band vor, den dem man als Spielleiter (aber auch Spieler) blättert und sich in einigen Mußestunden inspirieren lässt, leider ist damit der „direkte“ Nutzen am Spieltisch eher gering.

Fazit: 3
Ein hochwertiger Band mit einem Konzept, das erst noch überzeugen muss und vielleicht etwas überarbeitet werden sollte. Insgesamt besticht das Buch durch seine liebevolle Gestaltung, die sich leider in Detailverliebtheit an einigen falschen Stellen niederschlägt und dafür an anderer Stelle zu knapp ausfällt.

Letzte Änderung am Freitag, 01 Juni 2012 17:05

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