Die Räder der Welt (Lake, Jay)

Artikel bewerten
(0 Stimmen)

Die Raeder der WeltStellen Sie sich vor: Unser Sonnensystem ist ein einziges großes Uhrwerk. Die Erdkugel besitzt einen kilometerhohen metallenen Zahnkranz, der den ganzen Äquator umspannt, und dreht sich auf einer Schiene um die Sonne. Doch nun läuft die Uhr ab.

Klappe:
In dieser Welt herrscht Kaiserin Victoria über die britischen Provinzen in Neuengland. Die Royal Navy durchstreift die Lüfte mit ihren lenkbaren Luftschiffen. Und in der Stadt New Haven erhält der junge Uhrmacherlehrling Hethor von dem Messing-Engel Gabriel den Auftrag, den Hauptschlüssel zu finden, mit dem sich das Uhrwerk der Erde wieder aufziehen lässt. Wenn er versagt, wird die Welt aufhören, sich zu drehen, und alles Leben enden.

Autor:
Jay Lake (Joseph E. Lake Jr.), geboren 1964, wurde 2004 mit dem John W. Campbell Award als bester neuer Sci-Fi-Autor ausgezeichnet. Er hat mehrere Romane und weit über 100 Kurzgeschichten veröffentlicht, von denen einige für den Hugo Award und den World Fantasy Award nominiert wurden. Darüber inaus ist er auch als Herausgeber von Anthologien und als Rezensent für die Internet Review of Science-Fiction hervorgetreten. Er lebt in Portland, Oregon, und arbeitet als Produktmanager für eine Firma, die Sprachdienste für Unternehmen bereitstellt

Meinung:
Steampunk, dampfbetriebene Luftschiffe, eine mechanische Welt, die den Naturgesetzen trotzt und eine unglaubliche Faszination mit sich bringt... all dies bietet das Buch. Der Autor hat hier eine fantastische Hintergrundwelt geschaffen, die das Herz des Rollenspielers höher schlagen lässt. Die Idee, dass die Welt ein riesiges Tischplanetarium darstellt, in dem die Erde auf gewaltigen Zahnkränzen durch das Weltall gleitet, fasziniert mich. Ebenso die Idee, dass dieses Uhrwerk alle paar tausend Jahre erneut aufgezogen werden muss, um im Gang zu bleiben. Jay Lake konstruiert hierzu mehrere Denk- und Glaubensrichtungen, die ihre eigenen Vorstellungen haben, ob man dieses Uhrwerk nun wieder aufziehen soll – oder auch nicht.

Doch hier muss bereits mein erster Kritikpunkt ansetzen. Die vorherrschende Glaubensrichtung ist so stark an den christlichen Glauben angelehnt, dass man meinen kann, dass der Autor bereits hier jegliche Fantasie aufgebraucht hat. Das wäre ja noch zu ertragen gewesen, wenn da nicht das völlig planlose Herumgestolpere seiner Hauptfigur, Hethor, wäre. Der Autor lässt seinen „Helden“ ohne gefühlte Freiheitsgrade von einer Situation in die nächste stolpern, so wie ein schlechter Spielleiter seine Gruppe durch einen linearen Dungeon hetzt. Monster, Freunde, Feinde, fremde Kreaturen, faszinierende Landschaften, all dies taucht auf und dient nur einem Zweck: heruntergeschrieben zu werden und ohne erkennbaren Sinn wieder in der Vergessenheit zu verschwinden.

Getoppt wird dies nur noch durch die „Entwicklung“, die Hethor mitmachen muss. Aus dem verstoßenen Uhrmacherlehrling wird der Retter der Welt, und dies auf eine deus-ex-machina-Art, die symptomatisch für das Buch ist. Taucht ein Problem auf, verschwindet es. Läuft es mal zu glatt, taucht ein Problem auf, ohne dass es im Verlauf der Geschichte einen Sinn ergibt.
Wenn da nicht die geniale Welt wäre, hätte ich mich hier für die schlechtest mögliche Bewertung entscheiden müssen. So bleibt eine schwache 4 übrig. Übrigens: es sind weitere Bücher aus diesem Universum angedroht. Ich gebe zumindest die Hoffnung nicht auf, dass es besser werden kann. Eigentlich kann es nur besser werden...

Fazit: 4
Seelenloser Abenteuerroman, das ohne Zweifel tolle Szenario wurde für eine planlose Story und blasse Charaktere verschwendet.

Weitere Informationen

  • Autor: Alpers, Hans-Joachim
Letzte Änderung am Mittwoch, 30 Mai 2012 21:33

Schreibe einen Kommentar

RizVN Follow Us
Follow us on FacebookFollow us on TwitterFollow us on Youtube