03 Die Offenbarung

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gervininstreetTief holte sie Luft, eine reizende Demonstration eines inneren Sammlungsprozesses, vor allem wenn man bedachte, dass der Untotenstatus eine Versorgung mit dem frivolen Gegenstück lauteren Erzes relativ überflüssig machte.

Tief holte sie Luft, eine reizende Demonstration eines inneren Sammlungsprozesses, vor allem wenn man bedachte, dass der Untotenstatus eine Versorgung mit dem frivolen Gegenstück lauteren Erzes relativ überflüssig machte.
Dann polterte es aus ihr heraus, wie drei Hühnerbeine, ein Laib Brot, drei fingerbreit Konch und acht Liter Knat aus einem aus unerfindlichen Gründen verdorbenem Magen gen Licht am Ende des Tunnels:
„Mein Mann, er ist verschwunden!“

Diese Offenbarung ließ mich schaudern und ich zog meine Bandagierung enger an mich. Ein verschwundener Ehemann. Ein Fall, wie er in nicht nur einem der Bücher steht, die als Standardliteratur für den aufstrebenden Ermittler gelten. Die Leinwand im hinteren Teil meines Hinterstübchens, auch Atelier genannt, wurde mit mehreren schnell aufeinander folgenden Bildern, vorzugsweise – und fragen sie mich nicht warum – in schwarz-weiß bemalt: eine ziemlich frustriert aussehende Mumie mit Mantel und seltsamem Hut – richtig: ich! – stapft durch verrufene und verregnete Gassen. Zahnlose Hafenhuren und frisch frisierte Trollmöpse bieten Dienste an, von denen ein anständiger Kerl wie ich nichts Näheres wissen will. Zwielichtige, schemenhafte Gestalten stoßen Drohungen aus. Ein Blick hinter einem fadenscheinigen Vorhang. Da ist der Kerl. Zugange mit einer vollbusigen Blondine. Ich mach meinen Bericht. Frau sauer, Mann sauer und Blondine tot. Keiner weiß warum, aber so läuft es in der Regel.

Also war es nun an mir, ein wenig hohl zu stöhnen und ich tat es mit gewisser Inbrunst, als sich ein weiterer schrecklicher Gedanke zuerst vor meinem geistigen Auge, dann als in recht sarkastischer Betonung vorgetragene Frage, manifestierte: „Lassen Sie mich raten. Ihr Mann ist nicht zufällig ein Werwolf?“ Ungeachtet meiner vor Ironie und gewissermaßen daseinsimmanenter Trockenheit gekräuselten Lippen, machte sie große Augen, gab ein niedliches kleines Quieken von sich, welches einem gefürchteten Rattenassassinen die Worte „Du bist tot“ ersetzt haben würde, von sich und fragte keuchend:„Woher wissen Sie das?“ Es hätte wahrscheinlich klügere Antworten gegeben, aber vor der Visualisierung eines braungebrannten Charypto-Liebhabers mit zusammengewachsenen dunklen Augenbrauen, ordentlichen Muskeln und einem sehr männlichen Schnauzbart, der mit wedelndem Schwanz – Schweif, Rute, Sie wissen schon – neben diesem präpervalschen Prachtexemplar lieblichen Schattendaseins stand, war ich zu nichts anderem als einem simplen „Ich bin Schnüffler, Sie erinnern sich?“ in der Lage.

Sie erinnerte sich und ich nutzte die Gelegenheit ihres stummen Nickens um aus meinem wuchtigen, mottenzerfressenem – ich bilde mir immer ein, es wären Motten, aber die fressen schließlich kein Holz, nicht wahr?! Auf der anderen Seite, stellt sich die Frage, ob man das schäbige Ding noch als hölzern bezeichnen kann und zu guter Letzt liebe ich das Wort „mottenzerfressen“ – Schreibtisch ein schmuddeliges Blatt Pergament und einen Kohlestift zu fischen, um mir zu ihren unaufhaltsam folgenden Ausführungen Notizen zu machen.

Nicht, dass ich eine solche Gedächtnisstütze gebraucht hätte – wenn Sie nicht ständig ans Essen, Trinken und Überleben denken müssen, bleiben ziemlich viele Kapazitäten übrig, um sich so ziemlich jeden Scheiß zu merken – aber es wirkte nun mal unglaublich professionell auf die Kundschaft. Zudem hatte ein krakelndes Geräusch, gestützt von gelegentlichen „Mhmmms“ eine nicht zu unterschätzende, beruhigende Wirkung auf das Gemüt aufgelöster Frauen – und glauben Sie mir: egal, welche Art des Verfalls und der Monstrosität die Damen erreicht haben, Frauen bleiben sie bis zum Schluss Verraten Sie das aber nicht der aventurischen Gleichheitsliga, sonst werde ich wieder mit Kettenhemdoberteilen und ehernen Büstenhaltern beschossen und das nur, weil sie den patriarchalischen Ansatz der tulamidischen Kultur nicht akzeptieren wollen (eigentlich bin ich kein Tulamide, aber das brauchen die erst recht nicht wissen).

Letzte Änderung am Freitag, 17 Februar 2012 20:02
Christoph

Christoph ist der Gründer von Helden.de und schon seit vielen Jahren mit dieser Webseite beschäftigt.
Neben Pen&Paper Rollenspielen interessiert er sich für Computerspiele (vor allem Adventure, MMORPG und RPG),
Fantasy und SF Literatur, schlechte Horrofilme und alles nerdige was er finden kann.

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