Helden.de » Reviews » Romane » History » Unter der Asche (Finnek, Tom)
Meinung:
Tom Finnek, besser bekannt unter seinem Pseudo Mani Beckman, wurde durch seine historischen Romane rund um das Münsterland bekannt. Mit „Unter der Asche“ erscheint der erste Roman unter eigenem Namen und mit neuem Schauplatz: London im 17. Jahrhundert.
Jeder kennt die Geschichte vom großen Brand in London, bei dem 100 000 Menschen obdachlos und 4/5 der Bauten in London zerstört worden sind. Einige wissen vielleicht auch, dass dafür ein Franzose gehängt wurde, dem man eine Verschwörung mit den Papisten nachsagte. In diesem Buch wird nun eine andere Geschichte erzählt.
Der 13-jährige Geoff Ingram beginnt, auf Anraten seines Lehrers Master Gerrads, die Wahrheit über den Brand niederzuschreiben. Denn beide wissen, dass der arme Franzose nichts mit dem Brand zu tun hatte, sondern Geoff und seine Familie darin verstrickt waren.
Er erzählt seine Geschichte des letzten Jahres, die sich um den Pesttod des Vaters, das Verschwinden seiner Mutter und Schwester dreht, und um das Aufdecken der Vergangenheit von Master Gerrad. Aber auch die anderen Protagonisten des Unglücks kommen zu Wort. Jezebel erzählt ihre Geschichte rund um verlorene Liebe, Trauer und Einsamkeit. Rancid Ray, ein Nachbar der Ingrams und als Taschendieb in den Straßen Londons unterwegs, ist ebenfalls in die Geschehnisse verwickelt und setzt seinen Spürsinn ein, um hinter das Geheimnis zu kommen. Denn Geheimnisse bedeuten Wissen und Wissen ist Macht.
Diese drei Geschichten decken abwechselnd das Geheimnis über den Brand und dessen Verursacher und Hintergründe auf.
Das Buch ist in zwei verschiedenen Erzählstilen geschrieben. Während Geoffs Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt wird, sind die beiden Geschichten von Jezebel und Rancid Ray in der dritten Person verfasst. Ein nettes Stilmittel, das zum einen verschieden Perspektiven aufzeigt, und zum anderen Geoff als wichtigsten Protagonisten hervorhebt.
Die Geschichte selbst ist zum Teil vorhersehbar. Dies ist aber bewusst gewollt. Denn meist sind es Passagen aus Geoffs Geschichte. Während dieser nur sein Wissen hat, kennt man als Leser auch andere Hintergründe bzw. hat man einen anderen Blick auf gewisse Dinge, als ein 13-jähriger Junge.
Manches bleibt allerdings auch bis zur Aufklärung spannend und unvorhersehbar. Also insgesamt eine sehr gute Mischung aus Spannung, Andeutungen und dem Gefühl der Überlegenheit über einen der Protagonisten.
Fazit: Ein sehr guter historischer Roman rund um den Brand in London. Die „Helden“ sind interessant und vor allem passend ausgearbeitet. Es wurde nicht versucht, die Spannung künstlich zu überziehen, sondern ein sehr gutes Verhältnis von Spannung, Vorahnung und Vorhersehen geschaffen. Dies lässt natürlich viel für zukünftige Romane des Autors erwarten. Joela |
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geschrieben am: Sun, 8 Jan 2012
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