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Kinderdieb (Brom)

Kinderdieb (Brom) Klappe:
Leise wie ein Schatten streift ein merkwürdiger Junge durch die dunklen Straßen von New York. Er nennt sich Peter und ist auf der Suche nach Kindern und Teenagern, die in einer aussichtslosen Situation nicht mehr weiterwissen. Peter rettet sie ... und bietet ihnen an, sie in sein magisches Reich zu führen, in dem niemand je erwachsen werden muss. Doch Peter verrät ihnen nicht, dass dort nicht nur magische Geschöpfe und das Abenteuer ihres Lebens auf sie warten, sondern auch größte Gefahr Vor 99 Jahren schuf James M. Barrie mit Peter Pan einen Mythos des 20. Jahrhunderts, der jede Generation aufs Neue begeistert. Nun ist es an der Zeit, Peters wahre Geschichte zu erzählen, und von einem Land voller Magie und Gewalt, Lügen und Abgründe, großer Liebe, falscher Freunde und echter Helden.
Meinung:

>>Shame on me<<, denn bisher kannte ich Gerald Brom nur als Fantasy-Künstler und nicht als Autor. Doch dass der 1965 in Albany geborene auch illustrierte Romane verfasst hat wie z.B. „The Devil's Rose“ ist mir erst seit „Kinderdieb“ bekannt.

Es mag für manch einen etwas irritierend sein, dass als Autor nur „Brom“ über dem Cover steht, doch man darf sich schon sicher sein, es handelt sich um Gerald Brom, wie man auch unschwer an der einzigartigen Illustration erkennen kann. Dort zeigt sich der rothaarige, spitzohrige Protagonist Peter Pan umgeben von Geistern und toten Pixies. Es ist ein sehr hartes Bild, dass dem potentiellen Käufer schnell klar machen soll, dass er hier kein Kinderbuch in Händen hält.

Der Kinderdieb ist in Seattle auf der Suche nach „Verlorenen Jungs“ und Mädchen, die nicht wissen wo sie sonst hin sollen. Über gefährliche Wege führt er sie in das verborgene Reich Avalon. Dort verspricht er ihnen Freiheit und auf ewig Kind zu bleiben. Erst nach und nach erfahren sie, was noch auf sie wartet: Ein Kampf gegen Erwachsene, die alle Magie aus Avalon auf Befehl einiger Priester auf blutigstem Wege austreiben wollen. Selbst vor Mord an Kindern machen sie nicht halt, was der Neuankömmling Nick bald erfahren soll. Ihm fällt es sehr schwer unter den Peter verehrenden Kindern seinen Platz zu finden, denn fast alle haben ihm sein Leben auf die eine oder andere Weise zu verdanken. Und es warten neben den Erwachsenen noch mehr Gruppierungen, die den „Teufeln“, wie sich die Kinder und Jugendliche nennen, das Leben zur Hölle machen wollen.

Es gibt viel Schund, einige gute Bücher, aber nur ausgesprochen wenige Romane auf dem Markt, die einen Leser derart fesseln können wie „Kinderdieb“ von Brom. Man schlägt es auf und ist von der ersten Seite, ja sogar der ersten Zeile gebannt! Es beginnt actionreich und verliert während der gesamten Länge des Buches keine Sekunde an Spannung. Selbst in den Momenten, die eigentlich zur Erklärung von Peters Charakter oder die momentane Situation dienen, sind so atemberaubend beschrieben, dass Langatmigkeit keine Chance bekommt.

Sogar nachdem ich das Buch weggelegt habe, lässt es mir keine Ruhe. Gerade auf psychologischer Ebene bietet es jede Menge Diskussionsstoff, mehr noch als der ursprüngliche Peter Pan. Denn hier zählt nicht nur der Wunsch, ewig jung zu bleiben, sondern auch die Kaltblütigkeit, wie er seine Ziele durchsetzen will und die besondere Beziehung zu Modron. Ich bin kein Psychologe, aber da werde ich mich auf jeden Fall noch weiter schlau machen, das lässt mich nicht los.

Ich habe bereits erwähnt, dass „Kinderdieb“ kein Kinderbuch ist. Das kann ich noch weiter ausholen indem ich sage: „Kinderdieb“ ist kein Buch für zart Besaitete. Der Kampf der Kinder gegen die Erwachsenen ist äußerst blutig und brutal. Menschen verbrennen bei lebendigem Leib, Kinder werden gefoltert, Gedärme und Gliedmaßen fliegen. Das geht an die Nerven. Nicht nur wegen dieser profanen körperlichen Gewalt, sondern auch wegen der Todesangst, die der Autor so überwältigend von Figur auf Leser überträgt. Der Magen verkrampft sich, als ein Vater in der Nacht seine Tochter aufsucht um von ihr zu nehmen, was keine Frau ihm geben will und man leidet mit Peter, als sein einziger Freund qualvoll zu Tode gefoltert wird. Keine Beschönigungen, keine Rücksicht. Eiskalt erzählt der Autor alles, was auch die Charaktere erleben. Es ist eine Kunst die Emotionen transportieren zu können, aber es ist auch klar, dass nicht jeder ein solches harte Buch lesen will. Für mich war es einfach überwältigend.

Sagenkundige Leute mögen einige Namen aus dem Buch bekannt vorkommen. So z. B. Modron, die Frau aus dem See, oder Avallach oder Avalon. Brom hat sich, wie der „Peter Pan“ - Autor James Matthew Barrie an der großbritannischen Sagenwelt orientiert.

Fazit:
Eine Geschichte, die den ursprünglichen Peter Pan ohne beschönigenden Schleier und blumiger Sprache darstellt. Kalt, grausam und trotzdem unglaublich schön und fesselnd erzählt Brom von einem Peter Pan, der von der ihn umgebenen unfreundlichen Welt geprägt ist und nur einen Weg sieht endlich glücklich zu werden. Doch Leichen zieren diesen Weg.







Jolinar

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geschrieben am: Thu, 10 Jun 2010
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