Helden.de » Reviews » Romane » Dsa » Todesstille (Craw, Bernard)
Kurzbeschreibung
Die Rotaugensümpfe sind das verdorbene Herz des Bornlands: Im Winter erbarmungslos, im Sommer tödlich. Wer bei klarem Verstand ist, macht einen Bogen darum. Hier liegt die Ruine der Burg Dornblut, in der einige Geweihte des Totengottes Boron Abgeschiedenheit suchen. Doch die Sümpfe verschlingen nicht nur gierig alles, was die Krallen der Rantzen an sich reißen können, sie bringen auch vieles wieder an die Oberfläche, das besser für immer tot und vergessen wäre. So manifestieren sich auch die finsteren Geheimnisse um die alte Feste der Theaterritter zu jenem Albtraum, der die Leibeigenen schon seit Jahren im Schlaf aufschreien lässt.
Meinung:
Zum Cover, das für meinen Geschmack etwas zu weich erscheint, kann und will ich nicht viel sagen, da es im Roman noch eine tiefere Bedeutung hat.
Nach der ersten Seite hätte ich das Buch am liebsten weggelegt. Verschachtelte Sätze, die mir zu sehr nach „ich will einen superästhetischen Gruselroman alá „Twilight schreiben“ wirkt. Zum Glück habe ich die zweite Seite aufgeschlagen und war dann doch positiv überrascht. Es wird besser, um nicht zu sagen richtig gut. Der Autor entwickelt im Verlauf des Romans einen Charme, dem sich der Leser nur schwer entziehen kann. Es zeugt von Talent, das zugegebenermaßen noch etwas geschult werden sollte, nicht allein durch den Verlauf der Geschichte Spannung zu erzeugen, sondern die Bande zu Helden wie Opfern allein durch die Art etwas zu Beschreibung oder Erklären zu vertiefen. Nur so gelingt es einem Autor Emotionen zu transportieren und nicht einfach nur zu erzählen.
Auch wenn sich der Schreibstil schon nach Kurzem stark verbessert, so wechseln die vielen Schauplätze, an denen der Leser gezogen wird, zu schnell. Es dauert also ein wenig, bis man sich einen Überblick verschafft hat und atmet erleichtert auf, als sich die Geschichte dann an einem Ort zusammenzieht. Ab da kann es dann richtig los gehen. Die Spannung liegt dabei anfangs weniger an den tatsächlichen Ereignissen, sondern eher an der unterschwelligen Gefahr, die für den Leser so präsent ist, aber sich doch nicht eindeutig zeigt. Dabei sind nicht nur die Bösen, das Übel, vor dem man sich fürchten muss. Die Rotaugensümpfe haben auch so ein hohes Gefahrenpotential. Viele Angriffspunkte, die vom Autor zwar genutzt, aber nicht bis auf´s Letzte strapaziert werden. Tolle Atmosphäre, viel Spannung, aber dennoch genug Möglichkeiten für den Leiter selbst Gefahren für ein Abenteuer einzubauen. Kritisch ist das Ende des Romans, das leicht kitischig wirken könnte. Doch auch diese Hürde meistert Bernard Craw ohne Probleme. Ein sehr mitreißender Abschluss, still einerseits, wie die Geweihten an diesem Ort, andererseits nervenaufreibend, als sich der Leser über das Ausmaß bewusst wird.
Äußerst gut gelungen ist die Beschreibung der Figuren. Nur langsam werden Facetten preis gegeben und zum richtigen Moment ausgespielt. Wandlungen der Charaktere sind klar dargestellt. Besonders hervorzuheben ist dabei Imalia, eine junge Borongeweihte, die sich anfangs mit den Lehren des Boron schwer tut, auch wenn sie es selbst nicht wahrhaben will. Erst nach einer Schelte der Hochgeweihten besinnt sie sich. Ihre Gedanken ab diesem Zeitpunkt, die Konflikte sind Gold wert für jeden, der einen solch borongefälligen und tiefgründen Helden zu spielen gedenkt. Doch auch jeder andere Charakter hat seinen Werdegang, der nicht nur den Figuren Tiefgang verleiht, sondern der gesamten Geschichte. Äußerst hilfreich für eigene Charaktere. Auch die Einblicke in die Kultur der Norbaden und Goblins sind sehr überzeugend. Nach „Die rote Bache“ hat sich bei manch einem ein etwas einseitiges Bild von den Rotpelzen eingeprägt. „Todesstille“ arbeitet da dagegen. Es zeigt mehr von der Kultur, der Art mit Situationen umzugehen, die sich so sehr von denen der Menschen und 12-Göttergläubigen unterscheidet. Eine wahre Bereicherung um sich den nördlichen Teil Aventuriens besser vorstellen zu können.
Einen Punkt gibt es aber doch zu bemängeln. Nachdem ich den Klappentext gelesen habe, hoffte ich, etwas mehr über die Theaterritter zu erfahren. Dem ist aber leider nicht so. Einzig, dass dort vor Jahrhunderten welche hausten, hat mit ihnen zu tun. Für die Handlung des Romans sind sie aber leider irrelevant.
Jolinar Fazit:
Anfangs wirkt der Stil des Autors wenig eloquent. Zum Glück ändert sich das bereits nach wenigen Seiten, sodass man sich voll auf den Roman einlassen kann und will. Passend zu den Borongeweihten, zeigt das Buch einen Einblick in die Seelen der Charaktere. Spannung wird anfangs auf eine sehr subtile Weise vermittelt. Die Kälte des Bornlands ist mit jedem Wort deutlich zu spüren. Ein wirklich gut gelungener Roman!
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geschrieben am: Fri, 31 Jul 2009
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