Helden.de » Reviews » Film » Crowley - Back from Hell
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Klappe: Noch nie hat das Böse so gerockt! Dr. Haddo nimmt an einem Experiment teil, bei dem er mittels eines Virtual-Reality-Anzugs mit dem mächtigsten und komplexesten Computer auf Erden verbunden ist. Doch er ahnt nicht, dass dieser Computer mit den schwarzmagischen Formeln des Okkultisten Aleister Crowley gefüttert wurde. Haddo verliert den verzweifelten Kampf um seine Seele. Crowley übernimmt den Körper des Doktors und bereitet ein uraltes Ritual vor. Doch dafür muss eine junge Frau geopfert werden. Dr. Mathers entdeckt das Treiben Crowleys und fordert ihn heraus. Alte Magie und moderne Wissenschaft prallen aufeinander, in einem Kampf Gut gegen Böse, bei dem das Schicksal der Welt auf dem Spiel steht... Dämonisch...Verführerisch...Unberechenbar... |
Inhalt:
Alles beginnt damit, dass zwei junge Studenten Dr.Crowley kurz vor seinem Tod in seinem Haus besuchen um in seinen Orden aufgenommen zu werden. Als der Magier stirbt, verflucht er einen der beiden Studenten.
Zig Jahre später, die Studenten sind alte Männer geworden. An der Cambridge University arbeitet einer von ihnen als Dozent. Hier steht auch der Z93, der mächtigste Computer auf Erden, für den ein an einen Taucheranzug erinnernder Virtual-Reality-Anzug gebaut wurde. Als der stotternde (und einfach nur lächerliche) Dr.Haddo diesen austestet (warum auch immer), steht er am nächsten Tag plötzlich kahlköpfig und von seinem Sprachfehler geheilt vor seinen Dozenten und predigt über Shakespeares Werke Crowleys Lehren – auf seine gaaaanz eigene Weise (siehe unten).
Nach und nach findet er seine schwarzmagischen Kräfte wieder, die hauptsächlich auf sexueller Magie beruhen, und da der Director Julian Doyle selbst nicht genau wusste, wie die aussieht, gibt’s massenweise nackte Haut, Selbstbefriedigungen und anderen vulgären Kram.
Am Ende benötigt Crowley eine junge Frau – die Heldin, wer hätte es gedacht? - um vollends wieder aufzuerstehen, mit dem Ritus der „Chemischen Hochzeit“ (Chemical Wedding ist ein Song aus Bruces Solokarriere). Wie diese Vereinigung genau abläuft war mir nicht nachvollziehbar, es hatte auf jeden Fall mit sehr vielen Nadeln zu tun, die in diverse Menschen gestochen werden...*schauder*
Das Ende wird hier aber mal nicht weiter gespoilert, es war nicht so schlecht, wie der Film zunächst vermuten ließ und hat (ausnahmsweise) einen durchdachten Eindruck hinterlassen.
Meinung:
Wow, wo fange ich an? Ich denke damit, dass ich den Film mit einer guten Freundin schauen wollte und wir ihn nach einer halben Stunde ausgemacht haben! Ich bin sehr tolerant was schlechte Filme angeht und hatte mich schon ein wenig drauf eingstellt, dass hier schöner Trash kommt, man ein wenig drüber lachen kann und gut. Aber...
Schon die ersten Minuten in denen der sterbende Crowley den Studenten rituelle Geschlechtsverkehre (und zwar mit einer weniger schönen Sprache als ich es hier tue) empfiehlt lassen die Augenbrauen in einer Mischung aus Verwirrung und Entsetzen nach oben wandern. Es folgt eine Aneinanderreihung von Szenen deren logischer Zusammenhang kaum zu erschließen ist. Die rothaarige Heldin will Dr. Mathers, der sie später zu retten versucht, interviewen, Dr.Haddo tritt mit seinem Sprachfehler auf und wirkt dermaßen deplatziert, der Kerl, der am Supercomputer arbeitet wird auch irgendwie ein paar Mal gezeigt, dann findet ein Seminar bei Haddo statt, in dem mal ein paar Songtitel von Iron Maiden und ihre Ursprünge genannt und ausgewertet werden, dann träumt Dr. Mathers von der Heldin mit irgendwelchen Tentakeln im Supercomputer...und als Zuschauer denkt man nur noch: What the...?
Teilweise wirken diese Szenen nicht nur wirr, sondern sind auch total überflüssig. Im Making of (ja, ich wollte dann zumindest auch noch sehen, was Bruce dazu sagt) erfährt man dann, dass die Sekunde, in der die Heldin mit ihrem Kumpel (oder wem auch immer, der schien auch sehr überflüssig existiert zu haben) aus der Uni rennt, eigentlich sehr viel länger war und noch ein Gespräch folgte. Warum man dann den Anfang der Szene nicht herausschnitt – keine Ahnung...
Der entgültige Griff zur Fernbedienung folgte, als der wiedergeborene Herr Crowley in seiner Vorlesung während des Redens seine Hose öffnete und seiner Blase freien Lauf ließ – mitten in die erste Reihe von Studenten...(Gerechtfertigt mit den Worten: „In 10 Jahren werden sich die Studenten nur noch an DIESE Vorlesung erinnern!“...äh, ja...)
Nun, aber hat man als Rezensent ja seine Verpflichtungen und so überwand ich mich an einem Sonntagabend nochmal – die erste halbe Stunde wurde gleich überspult, zweimal geb ich mir das nicht.
Was folgte: Crowley verrichtete sein Geschäft noch auf einem Schreibtisch (was mit der musikalischen Dramatik eines Mordfundes angekündigt wird – ich habe mir nur an den schmerzenden Kopf gegriffen). Crowley erschafft die Hure von Babylon neu, damit sie seinen späteren Gehilfen...verwöhnt. Er kümmert sich „liebevoll“ um die „Wirbelsäule“ irgeneinder Dame in einem Geschäft. Spielt Gehirnwäschespielchen mit der Freundin der Heldin (effektiv auch bedeutungslos die Dame, außer dass sie sich auszieht und später stirbt).
Überhaupt wirkt es manchmal, als würde jemand seine gaaaanz speziellen Liebesfantasien ausleben wollen. Zumal ich behaupten möchte: Jede (junge) Frau, die in dem Film auftritt, sieht man irgendwann nackt. Falls es wirklich Ausnahmen geben sollte, bestätigen diese nur die Regel!
Später versucht Crowley die junge Heldin mit einem Zauber zu sich zu holen – und hier dachte ich tatsächlich mein Kopf implodiert:
Er kniet sich vor einen Altar, die Hose unten, Fünf gegen Willi, während sein Gehilfe ihm mit seinem Stab den Hintern verprügelt und er irgendwelche lateinischen Worte intoniert – und das wir unglaublich lange gezeigt und steigert sich immer weiter. Bis sich seine wunderbare Freude auf einen Brief mit Runen ergießt und er diesen (MIT seiner speziellen Unterschrift!) in die Redaktion der Studentenzeitung, für die unsere Heldin arbeitet, faxt. WHAT THE...?
Okay, man könnte hier noch sehr viel Obszönitäten anführen inklusive einer stilechten Orgie mit ALLEM drum und dran...aber ich spare mir das...
Befassen wir uns erstmal mit den Schauspielern. Crowley wird von Simon Callow (Shakespeare in Love, Das Phantom der Oper) gespielt – oder überspielt? Okay, zunächst stellt er ja den Dr.Haddo dar, und das so lächerliche wie man es sich nur vorstellen kann. Nach seiner Wandlung zu Crowley übertreibt er es bisweilen dermaßen mit seiner Mimik, dass man meinen könnte, der arme Mann wäre tatsächlich unter Drogen gesetzt worden. Erinnerte mich ein wenig an Demodar aus den Dungeons&Dragons-Filmen – und wir erinnern uns sicher noch sehr gut an diese... :-P
Die restlichen Hauptdarsteller sind okay bis gut, der Heldin kann man nichts vorwerfen, es war wohl ihre erste Hauptrolle, aber die spielt sie sehr gut.
Alles außerhalb der wichtigen Charaktere wurde übrigens von Familie und Freunden und auch der Crew selbst gespielt. Jepp, wir reden hier von „Extreme-Low-Budget“ (so auch von einem Crewmitglied im Making of gesagt). Auch Bruce ist mehrmals dabei: als einer der Studenten zu Beginn, als blinder Mann im Hintergrund und ursprünglich auch als Gärtner, den man aber rausgeschnitten hat.
Um nochmal auf das knappe Budget zurückzukommen: dieser Umstand schlägt sich natürlich irgendwo auch auf die Effekte nieder. Hier darf man aber sagen, selten denkt man „Wow, die Tricks waren in den 80ern aktuell“. Überhaupt wird sehr wenig mit dem Computer gearbeitet (was sicher nur zu mistigen Ergebnissen geführt hätte), viel mehr mit Pyrotechnik und Licht. Was streckenweise nervt: Manche Szenen haben die filmgewohnte Weichzeichnung, oft denkt man aber auch, man würde gerade eine dieser billigen Krimiserien auf Sat1 schauen oder jemand hätte die Szene mal gerade mit seiner privaten Videokamera aufgenommen. Da die Bildqualität immer wieder wechselt, wird’s auffällig. Erinnert mich übrigens an „Armee des Jenseits“ (nach Lovecraft), auch eine Empfehlung für einen schönen, misslungenen Filmabend.
So nun aber zum „Besten“ am Film: der Musik! Als Iron Maiden Fan geht man natürlich mit Erwartungen an die Musik zu einem von ihm produzierten Film heran. Und, yeah, im Intro läuft „Chemical Wedding“, einer seiner Solosongs! Versprach einen guten Einstieg, aber...wir wissen es jetzt ja besser...Machen wir's kurz, auf der DVD sind vier Songs des Meisters (ausschnittsweise) zu hören. Im Intro, dann verprügelt Crowley auf der Straße einen Bettler (warum auch immer) zu Iron Maidens „Wicker Man“, im Outro läuft „Man of Sorrows“ (Remastered, aus Bruces Solozeiten) und am Ende der Deleted Scenes wird nochmal „Can I Play With Madness“ angespielt. Das war's dann auch, im Falle von „Wicker Man“ ist der Ausschnitt auch so kurz und wirkt irgendwie so deplatziert, dass die Musik in der Hinsicht nur wenig ins Gewicht fällt. Ansonsten gibt’s 08/15-Standard-Filmmusiken, nichts bemerkenswertes.
Dann nochmal kurz zu den erwähnten Boni. Es gibt drei Features: Einen Audiokommentar von Bruce Dickinson und Julian Doyle, „Revelations: Das Making of“ und „Wasted Years: Deleted Scenes“.
Den Audiokommentar hab ich mir nur 2 Minuten gegeben, da es dafür keine deutschen Subtitel gab, war's mir zu blöde den nur als 5.1 oder DTS vorhandenen Sound auf meinem Stereo-TV immer laut und leise zu drehen um das etwas nuschelige Englisch zu verstehen.
Das Making of deckt einige der Seltsamkeiten des Films auf: Warum er so billig wirkt z.B. Oder warum er so ordinär ist (zwei Mitarbeiter sagen sinngemäß: „Wir schufen unser eigenes Genre, die „Groteske“, und das ist meiner Meinung nach gar kein Ausdruck...) Nebenher wird eine Ewigkeit darüber gelabert, dass es seltsam am Set zugegangen wäre, als wäre Crowleys Geist rumgeschlichen. Das kommt daher, dass der Drehort eine Schule war, an der sich zig junge Studenten erhängt hatten und in deren Zimmern man unzählige Schriften des Magiers gefunden hatte – auch wenn offiziell kein Zusammenhang besteht. Insgesamt ist das Making of aber interessant und auf jeden Fall unterhaltsamer als der Film selbst.
Dann gibt’s noch die geschnittenen Szenen, wo ich echt ein bisschen erstaunt war. Bisher kannte ich von DVDs immer nur so zwei oder drei kurze Teilstücke, die man entfernt und nochmal draufgepappt hatte, um ein Feature mehr zu haben. Hier gab's ca. eine halbe Stunde Material auf Englisch mit Untertiteln. Zu jeder Szene gab's einen (schriftlichen englischen) Textkommentar von Bruce, was diese zu bedeuten hatte, warum sie geflogen ist oder einfach nur mit einer Anekdote oder Hintergrundwissen. Hier fällt auf: Der gute Mann ist ein kluger Kopf und sein Film hatte sehr viele interessante, wissenschaftliche Ansätze – die aber allesamt rausgekürzt wurden! :-P Die Erklärungen, die hier geliefert werden, tragen sehr zum Verständnis des Hintergrundes bei, physikalische Theorien werden angewandt und durchdacht – aber nichts davon ist im fertigen Werk zu sehen! Sehr schade...
| Fazit: „Crowley – Back from Hell“ ist zwar ab 16, aber nichts für einfache Gemüter. Es gibt extrem viel Sex, Fäkalien und vulgäre Sprache - selten getrennt voneinander. Nach der ersten wirren halben Stunde wird das Ganze immer grotesker, gipfelt immer mehr in Sinnlosigkeit, um schließlich ein durchaus durchdachtes Ende zu finden. Der „Extreme-Low-Budget“-Titel ist leider überhaupt keine Empfehlung, schon gar nicht für Fans des großen Bruce Dickinson, denen in so genialen Songs wie „Chemical Wedding“, „Revelations“ oder „Moonchild“ ein Bild der Prophezeiungen Crowleys gezeichnet wurde – die Enttäuschung ist kaum vermeidbar. Von mir gibt’s 2/10 Punkten: einen Punkt für das kluge Ende und die interessanten Theorien (die's nur in den Deleted Scenes gibt) und einen für die viermal Bruce Dickinson/Iron Maiden Musik, die man hören darf – auch wenn's nicht im Film ist, die Musik ist einfach sehr gut. Der Rest ist eine seeeehr fremdartige Sexfantasie, die nicht weiß, ob sie ernst oder witzig sein will. Svart |
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geschrieben am: Fri, 15 Jan 2010
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