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Interview mit Andre Wiesler

Vom Schreiberling bei Helden.de zum Profi Rollenspielautor schaffen es nur wenige. Andre Wiesler hat es geschafft. Ne das ist jetzt ?bertrieben, Andre hat schon seit ich ihn kenne sein Geld mit Schreiben verdient oder es zumindest versucht. Den Lesern unserer Seiten d?rfte er vor allem als Autor der ber?hmt ber?chtigten Glossen in Erinnerung sein. Jetzt erscheinen gleich mehrere Rollenspiel relevante Produkte aus seiner Feder im Profisegment. Grund genug mit ihm dar?ber zu sprechen.







Andr? Wiesler, wurde am 25.9.1974 in Wuppertal geboren, wo er noch heute mit seiner Lebensgef?hrtin Janina Enders und seinem Kuvasz-R?den Sandor lebt und arbeitet. Studium der Germanistik, der allgemeinen Literaturwissenschaft und Literaturgeschichte Englands



Helden
Wenn man momentan die Liste der Neuerscheinungen und geplanten Projekte durchsieht, taucht immer wieder dein Name auf.. Was genau k?nnen wir alles in der n?chsten Zeit aus deiner Feder, bzw unter deiner Federf?hrung erwarten?
Andre
Meine "Im Schweif des Kometen"-?bersetzung (Shadowrun) ist ja gerade erschienen, im Mai wird (wenn alles gut geht) bei Heyne mein erster DSA-Roman mit dem Titel "K?nig der Diebe" erscheinen, das DSA-Abenteuer "Herz aus Eis" im Bornland ist gerade im Endlektorat, f?r das dritte Quartal
2003 ist ein Shadowrunroman namens "Shelley" geplant. Au?erdem schreibe ich nat?rlich weiter flei?ig f?r den Envoyer und gestalte mit einem hervorragenden Team das LodlanD-Rollenspiel. Viel mehr ist nicht zu erwarten, denn mehr hie?e weniger Schlaf :-)

Helden
Mit dieser Menge an Ver?ffentlichungen drehst du ja 2003 voll auf, wie kommt das so pl?tzlich?
Andre
Ich habe einfach meine Aufmerksamkeit etwas vom TV weg und in Richtung Rollenspiel verlagert. Mit einem alten Manuskript habe ich mich dann bei FanPro vorgestellt und der Rest kam "von selbst" :-)

Helden
Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Andre
Ich habe relativ sp?t entdeckt, dass ich schreiben m?chte. Als ich 15 war hat meine Frau Mutter mit dem gro?en blauen M?llsack meiner Comicsammlung ein Ende bereitet und meine Schwester hat mich gen?tigt, "was ordentliches" zu lesen - es war Michael Endes "Unendliche Geschichte" (heute noch eines meiner Lieblingsb?cher). Danach habe ich z?gerliche erste Schritte in Richtung Schriftsteller gemacht, fand Best?tigung und seitdem bin ich dabei.

Helden
Wie bist du zum Rollenspiel gekommen?
Andre
Ein Freund hat in den Achtzigern die erste DSA-Box geschenkt bekommen und mich zum Spielen eingeladen. Ich war sofort begeistert und bin nun seid rund 15 Jahren Rollenspieler.

Helden
Kannst du davon (Schreiben f?rs Rollenspiel) leben? Wenn nicht wovon dann?
Andre
Nein, vom Schreiben f?rs Rollenspiel kann ich zur Zeit leider (noch) nicht leben. Mein Hauptverdienst kommt aus der TV-Branche, f?r die ich als Drehbuchautor t?tig bin und aus ?bersetzungen.

Helden
Zu Lodland haben wir ja schon einige Infos. Ganz kurz was erwartet uns bei K?nig der Diebe, Herz aus Eis und Shelly
Andre
Zuviel m?chte ich nat?rlich noch nicht verraten, aber im "K?nig der Diebe" wird es um einen richtigen Halodri in Rommylis gehen, einen Dieb der alten
Schule, der in arge Schwierigkeiten hineinrutscht. Herz aus Eis ist eine
detektivische Geschichte im Bornland und wird zu gro?en Teilen am Hof eines
verarmten Bronnjaren spielen. Shelley ist eine eher untypische
Shadowrungeschichte, denn sie dreht sich nicht um Shadowruner im
eigentlichen Sinne, sondern hat einen Ex-S?ldner und einen Orkischen
Privatdetektiv als Hauptfiguren.

Helden
Wie kommt man dazu f?r FanPro zu ?bersetzen bzw zu schreiben?
Andre
Wie erw?hnt, ich hatte einfach Lust dazu, habe mich vorgestellt und zum Gl?ck hat alles geklappt - und f?r irgendwas muss das Anglistikstudium ja mal gut sein :-)

Helden
Hat dir deine Fanarbeit/Fanprojekte dabei geholfen?
Andre
Ich denke schon - auf jeden Fall war es hilfreich dabei, den Stil zu verbessern und in der Materie zu bleiben. Schreiben ist eben zu 80% Handwerk, und das lernt man nur durchs Schreiben.

Helden
Reden wir ?ber Lodland. Ich wei? du brennst darauf. Das Konzept von Lodland existiert ja schon eine ganze Weile n den K?pfen einiger der Macher. Ich kann mich da an Gespr?che im Jahr 2000 erinnern. Was sorgt daf?r, das es ausgerechnet jetzt angegangen wird?
Andre
Es gab eigentlich keinen konkreten Grund. Wir haben die alten Konzepte wieder ausgegraben und wie es manchmal so ist: Der Funke ist ?bergesprungen. Im Nu hatten wir ein tolles Team an Autoren beisammen, die willens und in der Lage sind, hart an sich und ihren Texten zu arbeiten und auf professionellem Standard zu schreiben: Stefan Bogdanski, David Grade, Mirko Beine und Jan-Tobias Kitzel. Und eh man es sich versah, war aus dem "man k?nnte ja mal" ein "das machen wir jetzt" geworden.
Wir sind ja jetzt schon weit ?ber ein Jahr in der konkreten Entwicklungsarbeit und werden bis zur Spiel 2003 auch weiterhin an unseren Texten feilen. Mit Michaela Diemke, Christine Schlicht, Eckhard Freytag, Mia
Steingr?ber, Micha Vogt und Stefan Wehm?ller konnten wir zudem einige hervorragende Zeichner verpflichten, die ihrerseits auch wieder wichtige neue Impulse einbringen. Und last but not least haut uns dann ja auch noch
unser wissenschaftlicher Beraterstab Unreinheiten um die Ohren. Kurzum: ich denke, die Welt ist jetzt bereit f?r LodlanD ;-)

Helden
Wie seht ihr die Erfolgsaussichten auf dem Markt?
Andre
Wir versuchen uns da keinen Illusionen hinzugeben: Der Rollenspielmarkt ist ebenso hart umk?mpft wie schwer vorhersehbar. Aber wir hoffen nat?rlich, das LodlanD gut ankommt und viele Spieler Spa? daran haben werden, es zu spielen - ich bin davon ?berzeugt, dass LodlanD viele gute Ideen vereint und einen sch?nen Hintergrund liefert, und ich hoffe, dass die Spielrunden Deutschlands das genauso sehen :-)

Helden
Was ist denn nun das ganz besondere an Lodland wenn man es mit anderen Endzeitrollenspielen vergleicht? und sag jetzt nicht, es spielt unter Wasser.
Andre
Nun, das Leben unter der Meeresoberfl?che ist nat?rlich eine der Besonderheiten - es erm?glicht ganz neue Bilder, Stimmungen und Konstellationen. Vor allem aber ist LodlanD kein Endzeitrollenspiel ? die Menschheit ist nicht an ihrem Ende, sie steht vielmehr am Anfang (oder mitten drin) in einer neuen Lebensart. Man kann LodlanD auch als d?steres, verzweifeltes Setting spielen, aber eigentlich geht es eher in die Richtung Science Fiction (mit er Betonung auf Science) der nahen Zukunft als Endzeit.
Eine Besonderheit sind unsere "wei?en Flecken" - ein Rollenspiel sollte unserer Meinung nach detailreiche Beschreibungen liefern, bei all dem aber dem Spielleiter nicht die Freiheit nehmen. Darum haben wir St?dte und
Landstriche definiert - und werden das auch in kommenden Publikationen immer wieder tun - in denen wir dem Spielleiter garantieren, dass wir sie niemals beschreiben. Wenn er also dort eine alternative Zivilisation oder eine
Gro?familie ansiedelt, kann er sicher sein, dass er sie in allen offiziellen Geschichten beibehalten kann. Wir schreiben ihm seine Ideen nicht kaputt.
Und wir erlauben nicht nur, sondern w?nschen uns, das andere Autoren die Idee von LodlanD aufnehmen und weiterf?hren. Jeder, der m?chte, darf eigene Szenarios f?r LodlanD publizieren. Er kann sie bei der Redaktion einreichen, die sie pr?ft und wenn sie mit unserer offiziellen Linie konform gehen, ein LodlanD-G?tesiegel verleiht. Damit darf sich dieses Szenario dann als "offizielles LodlanD" bezeichnen. Wer auf diese Pr?fung verzichten m?chte, kann seine Abenteuer aber auch ohne G?tesiegel ver?ffentlichen (egal ob im Druck oder im Internet) - wir sind ihm nicht b?se.
Zu guter Letzt m?chten wir mit LodlanD auch dem unerfahrenen Spielleiter alles an die Hand geben, was er f?r seine ersten Runden braucht und gleichzeitig dem erfahrenen Spielleiter genug Stoff liefern, um ein anspruchsvolles Spiel zu gestalten, ohne aber einen bestimmten Spielstil aufzuzwingen.